Ich wollte nie Tierärztin werden oder Primaballerina. Wollte nie berühmt werden, aber auch nie Mutter und Ehefrau. Keine Ahnung, welche Ideen ich von mir als Kind hatte, aber irgendwann als Jugendliche hatte ich begriffen, dass ich ganz gut in Deutsch bin und dann war es naheliegend, Journalistin zu werden. Wurde ich dann ja auch mal kurz, allerdings beim Radio, nicht wirklich schreibend. Aber wie hätte ich das, was ich heute „bin“ auch jemandem beschreiben sollen, damals, wenn ich gefragt wurde, was ich mal werden will? Eben. Gabs ja noch gar nicht, meinen Beruf. Jedenfalls nicht so wie ich ihn mache.

Lange bin ich herumgetänzelt um das Thema „Schreiben“, habe Sprache studiert, Textlinguistik, Medienlinguistik. Aber irgendwann hatte ich „Autorin“ für mich gestrichen, ich bin ja auch Bloggerin, was soll ich da noch werden? Als ich meiner Mutter erzählte, dass ich ein Buch schreibe, sagte sie: „Wow, bei einem Verlag… So ein richtiges Buch, das man sich ins Regal stellen kann? Wenn du das geschafft hast, dann bist du ja wer!“

Ich muss richtig verdattert aus der Wäsche geschaut haben, denn ich dachte, ich wäre schon jemand, auch ohne Buch. Fiel ihr dann auch auf, aber hey, es passt so in diese Welt, in der man nach Titeln und Summen beurteilt wird. Kein Wunder, wenn ich glaube, mein Wert hinge davon ab.

Ich denke, wir müssen weg davon, etwas werden zu wollen. Und wenn schon, dann wir selbst. Hat ja schon Pindar geschrieben: „Werde, der du bist.“ Dafür müssten wir natürlich wissen, wer wir sind, also „Erkenne dich selbst“ – wieder ein anderes Thema. Ich will jetzt aber gar nicht philosophisch werden, das hat Nietzsche schon ausführlich getan.

Worauf ich hinauswill ist: Was wäre, wenn wir einfach beschließen, nichts werden zu wollen? Wir sind ja nicht irgendwer, sondern die, die aus all dem Erlebten und Gelernten eben geworden sind.

Also vielleicht hatte ich ja recht, nichts werden zu wollen, jedenfalls nicht das, was alle anderen werden wollten. Oder – andersrum – mir vorzubehalten, ALLES sein zu dürfen.

Ich frage übrigens nicht, was Junior oder seine Kollegen und Kolleginnen werden wollen. Die sind nämlich alle wer. Und manche sind cleverer, anständiger und und zielstrebiger als so mancher Erwachsene. Das Ziel allerdings muss gar nicht klar sein, denk ich. Das ergibt sich schon.

Zum Abschluss muss ich natürlich noch John Lennon zitieren, einfach weil es so schlicht und gleichzeitig so aussagekräftig ist:

„When I was 5 years old, my mother always told me that happiness was the key to life. When I went to school, they asked me what I wanted to be when I grew up. I wrote down „happy“. They told me I didn’t understand the assignment, and I told them they didn’t understand life.“

Dieser Beitrag ist in der 64. Blognacht entstanden. Das Impulsthema: „Das will ich mal werden (wenn ich groß bin)“

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2 Antworten

  1. Richtig. Da draußen sind so viele, die das Leben nicht verstanden haben und immer noch versuchen, jemand anders zu sein.

    Danke, dass du DU bist und uns immer wieder die Blognacht schenkst. Damit machst du viele happy!

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