„Sie müssen die Welt lieben, wie Sie sie lieben!“ Sie, das war ich. Der Chef des kleinen indischen Restaurants lächelte in sich hinein und wies zur Verdeutlichung mit der Hand auf mich. Mein Partner schaute etwas verwirrt, aber dieses Gespräch war sowieso schon verrückt. Uns sollte nichts mehr wundern. Also, er sollte die Welt lieben, wie er mich liebte.
Wir waren schon länger mit dem Essen fertig, aber es war zu schön, um zu gehen. Dieser winzig kleine Biergarten, die ruhige Dorfstraße, die Atmosphäre und dann natürlich wir beide… Ein Abend, der nicht einfach so zu Ende gehen sollte. Also saßen wir und tranken unser Bier und schauten dabei zu, wie nach und nach alle anderen Gäste nach Hause gingen, oder sonstwohin, wer weiß das schon.
Und hinter uns, im Lokal, wurde schon aufgeräumt, abgerechnet und der Feierabend vorbereitet. Wir fragten, ob wir gehen sollten, damit der Wirt seinen Laden schließen könnte, aber er sagte nein, bräuchten wir nicht, wir hätten doch Zeit, er auch. Also blieben wir sitzen, unterhielten uns über die Welt, über uns, über unsere Ideen und Pläne. Wenn wir zu zweit unterwegs waren, hatten wir oft alle Zeit der Welt.
Als er zu uns an den Tisch kam und fragte, ob er sich dazusetzen könne, rückten wir selbstverständlich ein Stück zusammen. Dass er bereits einen Feierabendjoint geraucht hatte, bemerkten wir nicht sofort, aber als er mit den Weisheiten anfing, mit den ganz großen Themen, da hörten wir fast nur noch zu. Kein Raum für Verständnis-Fragen oder eigene Ideen. War aber gar nicht schlimm.
Die Sache mit der Liebe
Er redete über Politik, über unseren Umgang mit der Welt, über Genuss, über Liebe. Das alles gehört ja zusammen, wie sowieso alles zusammengehört, zusammenhängt. Sie müssen die Welt lieben, wie Sie sie lieben. Stellen wir uns das doch mal vor. Eine wohlwollende, romantische Liebe zu der Welt, in der wir leben. Fördernd, nicht ausnutzend. Und immer darauf bedacht, dass es dem geliebten „Objekt“ gutgeht. Und ohne daran zu denken, ob es eine Gegenleistung gibt. Bedingungslos.
Wie anders müssten wir leben, wie aufmerksam müssten wir uns in der Welt bewegen, um zu spüren, ob noch alles okay ist, ob wir etwas beitragen können zum Wohlergehen. Und ganz bewusst nehmen – und geben. Leid und Tod und Schmerzen – wir können das ja erstaunlich gut ausblenden, wenn es nicht uns selbst oder unsere Liebsten betrifft. Das ist sicher auch gut, denn sonst könnten wir wohl schlecht weiterleben. Ich kann den Weltschmerz nicht an mich heranlassen, nicht zu nah.
Aber vielleicht kann ich Menschen und die Welt ein kleines Stück weniger als Ressourcen begreifen. Bin ich frisch verliebt, will ich immer bei meinem geliebten Menschen sein. Liebe ich jemanden, will ich für diesen Menschen nur das Beste. Im kleinen Rahmen können wir das. Unterstützen, sorgsam und wertschätzend miteinander umgehen, Freude am anderen haben, das, was man miteinander hat, beschützen. Und läuft etwas nicht so gut, dann fühlen wir mit, fragen nach, kann ich etwas für dich tun?
Sicher können das nicht alle. Andere werden es als Esoterik abstempeln. Als wirre Gedanken eines bekifften Gastwirts im Feierabend. Dürfen sie auch. Aber manche werden den Gedanken vielleicht verstehen. Als Einladung, das, was wir lieben, und wie wir lieben, zu überdenken. Oder besser: zu überfühlen.
Du kannst mir übrigens einen Kaffee-Regen schenken, wenn dir danach ist. Weil Geben und Nehmen zusammengehören. Meine Kaffeekasse findest du hier.
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