Heute muss ich einen sehr langen Bogen machen. Bereite dich also darauf vor, dass hier mehrere Gedankengänge miteinander verwoben werden, das geht heute nicht anders, denn ich möchte gern erklären, wie der Impuls für die heutige Blognacht zustandekam.

Vor etwa zwei Wochen habe ich mich nach langer Zeit mal wieder mit der Geschichte „Alice im Wunderland“ beschäftigt, in diesem Fall war es der Film, und zwar die ganz alte Disney-Version von 1951. Vielleicht erinnerst du dich ja an die Szene, wie Alice in den Kaninchenbau kriecht, dann lange (sehr lange!) fällt und schließlich, auf dem Boden angekommen, dem Kaninchen durch eine sehr kleine Tür folgen will – aber sie passt leider nicht durch.

Alice findet ein Fläschchen mit der Aufschrift „Trink mich“ und schrumpft… leider etwas verfrüht, denn der Schlüssel für die kleine Tür liegt auf dem großen Tisch, an den sie nun nicht mehr heranreicht. Zum Glück gibt es auch ein Törtchen, auf dem stecht „Iss mich“ – und das lässt sie wieder wachsen. Es ist verzwickt, wenn man blindlings Anweisungen folgt… nuja, ich schweife ab. Aber so ist nun mal die Geschichte dieses Impulses, also der aus der 59. Blognacht.

Teilen – ein Gedanke von Junior (mal wieder)

Ich hatte also die magischen Fläschchen und Kuchen im Hinterkopf, die Anweisungen, die klaren To-dos auf den Zetteln. Und die Probleme mit der Dosierung. Das alles waberte noch in meinen Gedankengängen herum, als ich durch einen Kommentar an Juniors Artikel zum Thema Freundlichkeit und Teilen erinnert wurde. Junior hatte nämlich darüber geschrieben, dass ein fremder Junge ihm seinen Basketball zum Spielen ausgeliehen hatte, einfach so, weil er gesehen hatte, dass mit einem Fußball auf den Korb geworfen wurde. Juniors Fazit:

„Das fand ich sehr schön, weil der Junge auf uns geachtet hat und uns dann helfen wollte. Außerdem finde ich auch teilen wichtig, weil Dinge deshalb ja nicht schlechter werden.“

Achtung, ein Schwenk kommt noch, nämlich der Kommentar zu Juniors Artikel, der mich dann noch mal angestupst hat. Moni hatte Junior geantwortet:

„Ich lese darin: Teilen kann auch teilhaben bedeuten, zudem hat der Junge euch Aufmerksamkeit, und somit 1 gutes Gefühl geschenkt. Aufmerksam sein, Interesse zeigen, vlt. auch etwas teilen, lässt die Dinge (Momente, Erlebnisse) schöner werden :)“ (Moni auf Mastodon – leider ist der Kommentar nicht mehr abrufbar, weil Moni ihre Posts nach einem Monat löscht.)

Die beiden einigten sich in dem Satz: „Teilen macht das Leben schöner!“ (Ist jetzt von mir minimal verkürzt, aber genau das war es, was die beiden herausgearbeitet hatten. Ein guter Gedanke, oder?)

Wie kommen jetzt Alice und das Teilen zusammen?

Wenn mir jemand den Satz sagt „Teilen macht das Leben schöner“, dann muss ich an Content denken, denn davon bin ich ständig umgeben. Sharing is caring heißt es ja so schön und da bin ich natürlich dabei. Ich finde, dass wir generell mehr teilen sollten, denn es hat eine Wirkung – auf uns selbst, die wir gute Gedanken, Inhalte und Gefühle teilen, aber auch auf die Menschen, deren Inhalte wir teilen.

Ich freu mich zum Beispiel jedes Mal darüber, wenn ich in in Thomas Michls Links der Woche auftauche (überhaupt ist das ne ziemlich coole Kategorie im Blog, so gut kuratierten Content findet man nicht oft). Und ich mag auch Aktionen wie den Follower-Freitag – wann haben wir aufgehört, das zu machen? Oder ist das mit Twitter gestorben?

Na ja, es gibt ja noch genug andere Wege, um gute Geschichten, gut recherchierte Themen und gute Gedanken zu teilen – übrigens auch abseits von Social Media. Mein selbsternannter Superfan hat mich lange Zeit in ihrer E-Mail-Signatur erwähnt und empfohlen – großartig! Dann können wir unsere Blogs viel mehr nutzen: Auf gute Blogbeiträge und Newsletter hinweisen, lesenswerte Kollegen und Kolleginnen verlinken, Lese-Empfehlungen aussprechen.

Du merkst schon, worauf ich hinauswill: Geiz ist definitiv nicht geil beim Thema Verlinken. So schrieb mir vor einiger Zeit ein Bloggerkollege:

„Der Backlink, der den Unterschied macht… Zwischen den vielen Nofollow-Backlinks im Analyse-Tool strahlte mich ein do-follow-Link aus deiner Blogroll an. Dafür möchte ich Danke sagen. Das ist nicht selbstverständlich in der Online-Welt.“

Ich sage: Machen wir es wieder selbstverständlich. Guter Content sollte ein Etikett haben: Teil mich! (Denn es hat einen Effekt!)

Teil mich: Auch abseits von Content und Web

Ich möchte noch einmal kurz auf den Basketball und Juniors Geschichte eingehen, denn die Kernbotschaft gilt für so vieles: Teilen macht das Leben schöner. Wir können unser Spielzeug teilen: Schon auf dem Spielplatz ist es super, die Kids darauf aufmerksam zu machen, dass man nur mit wenigen Förmchen und Schaufeln gleichzeitig spielen kann. Da ist es doch schön, die anderen in dieser Zeit zu verleihen. Macht allen ein gutes Gefühl.

Wir können Gebrauchsgegenstände teilen: Brauchen wir wirklich in jeder Wohnung einen riesengroßen Werkzeugkoffer? Ich jedenfalls nicht, denn meine Nachbarn leihen mir gern ihres, wenn ich es brauche. Gerade Dinge, die man sehr selten nutzt, kann man doch gut ausleihen (und wenn nicht beim Nachbarn, dann auch beim Baumarkt – ist dann zwar zur Miete, aber spart trotzdem Geld und Lagerplatz).

Ja und dann sind da noch die Dinge, die wir grundsätzlich so viel wie möglich teilen sollten. Zeit zum Beispiel. Liebe. Aber auch Wissen und Erfahrung. Da nützt es nun wirklich gar nichts mehr, alles für uns selbst behalten zu wollen – im Gegenteil: Wir sollten aktiv Anlässe schaffen, um zu teilen. Also stell dir doch in deinem Kalender kleine Etiketten vor, die bei freien Zeitfenstern aufploppen: Teil mich, denn Teilen macht das Leben schöner!

(Bist du noch da? Trotz der vielen Schleifen und Bögen? Danke. Dann stell dir jetzt ein Etikett an diesem Text vor, auf dem steht: „Teil mich!“)

Dieser Beitrag ist in der 59. Blognacht entstanden. Das Impulsthema: „Teilen wirkt.“

Du kannst mir übrigens einen Kaffee-Regen schenken, wenn dir danach ist. Weil Geben und Nehmen zusammengehören. Meine Kaffeekasse findest du hier.

6 Antworten

  1. Vielen lieben Dank für den sehr praxisnahen und wohligen Artikel!

    Ich habe mich kürzlich im Rahmen meiner Recherche zu Solarpunk ganz theoretisch mit alternativem Wirtschaften und Wirtschaftsformen beschäftigt.
    Dabei bin ich einerseits über das Konzept der »Gift Economy« oder »Geschenkwirtschaft« gestolpert, wozu die Geschichte mit dem Basketball sehr gut passt. Es geht um Austauschbeziehungen, die nicht primär auf monetärem Profit oder direkter Gegenleistung beruhen, sondern auf Vertrauen, Beziehungspflege und dem Wunsch einen Beitrag zum Gemeinwohl zu leisten. File-sharing, Crowd-Funding, Peer-Production, Nachbarschaftshilfe oder Open-Source-Entwicklung sind Beispiele. Die Geschenkwirtschaft ist die Antithese zur Logik des Mangels und der Knappheit; sie lebt vom Überfluss und der Freude am Geben.

    Andererseits habe ich zum ersten Mal von »Library Socialism« oder »Bibliothek-Sozialismus« gelesen — und der wiederum passt genau zu Deinem »Teil mich«-Absatz! Stellen wir uns eine Gesellschaft vor, die wie eine Leih-Bibliothek funktioniert! Das Nutzungsrecht (Nießbrauch, Usufruct) – das Recht, Dinge zu nutzen, ohne sie dauerhaft zu besitzen – steht im Vordergrund. Ein unreduzierbares Minimum an Gütern und Dienstleistungen wird für alle garantiert. So werden Güter von Werkzeugen bis zu Wohnraum als gemeinsame Ressourcen verstanden, die geteilt und ausgeliehen werden können, um Überproduktion zu vermeiden und Bedürfnisse effizient zu decken.

    Beide Konzepte passen total gut zusammen und ich würde mir eine Welt wünschen, die genauso funktioniert.

  2. Dein Artikel hat wieder einmal mein Herz erwärmt, meine Augen zum Leuchten gebracht und meine Mundwinkel nach oben ziehen lassen.

    Magst du mir noch den Zusammenhang zu „Alice im Wunderland“ deinem Einstieg erklären,
    den verstehe ich nämlich nicht.

    Danke schön

    • Liebe Maria,

      danke dir für deine Rückmeldung – ich fand deinen Text zu dem Impuls ja auch mehr als lesenswert, da steckt Verbindung drin und Verständnis. Zu Alice: Es ging mir um den Appell-Charakter, den Imperativ, und um die Idee, etwas einfach mal zu machen, wenn man dazu aufgefordert wird. Also ja, alles hat eine Wirkung, aber die können wir vielleicht noch gar nicht erkennen, bevor wir es ausprobiert haben. Diesen Gedanken fand ich spannend. Und dazu die Möglichkeit, etwas auch korrigieren zu können, wenn wir – vielleicht vorschnell – etwas gemacht haben. Aber letztlich hat beides seine Wirkung und seinen Sinn in der Geschichte. Sowohl das Fläschchen, als auch das Törtchen.

      Und so wurde aus „Teilen macht das Leben schöner“ eben „Teil mich!“ 🙂

      Ich freu mich, dich morgen zu sehen!
      Anna

  3. Hey Anna, vielen Dank für den Artikel!

    Ich bin gerade über den Mastodon-Account von Thomas Michl auf Deinen Beitrag gestoßen. (Natürlich 😉 ) Und ich schreibe hier, weil ich denke, dass nicht nur viel zu wenig geteilt wird, sondern auch viel zu wenig kommentiert wird. Leider ist es sehr aus der Mode gekommen, mit Bloggern über Kommentare zu kommunizieren und weil ich weiß, wie sehr ich mich über Kommentare in meinem eigenen Blog freue, hab ich gerade gedacht, ich hinterlasse Dir ein kleines Dankeschön.

    Liebe Grüße aus Münster
    Lars

    PS: Ich mag die Idee mit der Blognacht. Hab gerade gesehen, das die nächste ja schon morgen ansteht und ich werde versuchen, mit dabeizusein!

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