Seit fünfeinhalb Jahren veranstalte ich jetzt die Blognacht. Ein kleiner Schreibraum, der für alle offen ist, die Lust haben, einen Abend an ihren Textprojekten zu arbeiten. Man kann einfach vorbeikommen und an den Themen schreiben, die gerade anliegen. Oder aber man nimmt meinen Schreibimpuls auf und schaut, was im eigenen Kopf damit passiert. Diese Impulse zeigen vielleicht am besten, wie mein Gehirn funktioniert: Ich schnappe etwas auf, es formt sich und wird zu einer Idee, einer Geschichte. Es wird zu etwas, das sich schreiben lässt. Das ist diese berühmte Content-Brille, über die ich schon oft gesprochen und geschrieben habe. Letztlich ist in meiner Welt alles schreibbar.

Wichtig bei diesen Schreibimpulsen: Es sind nur Impulse. Irgendwelche Worte, Ausdrücke, manchmal Sätze, die bei mir hängenbleiben und die ich dann weitergebe. Manche Menschen mögen daraus etwas machen, andere halt nicht. Diese Selbstverantwortung belasse ich bei den Schreibenden. Sie dürfen selbst entscheiden, ob sie mit dem Impuls etwas anfangen können, ob sie Lust haben, es aufzuschreiben oder ob sie diesen Impuls einfach verwerfen. Nö. So einfach ist das.

Ja, ich weiß, dass einzelne Impulse vielleicht schwieriger zu schreiben sind, persönlicher, tiefer, was auch immer. Manchmal sehe ich in den Gesichtern der Teilnehmenden, dass sie gerade innerlich kämpfen und nicht wissen, wohin dieser Impuls sie führen soll. Meistens entsteht aber trotzdem etwas. Denn ein Impuls ist nur ein Impuls. Es gibt kein „so muss der Impuls aufgenommen und beschrieben werden“. Es gibt auch kein richtig oder falsch. Oder besser umgesetzt. Es geht um die Freude am Schreiben, am Erzählen.

Was ich nicht möchte: Niemand soll sich quälen mit meinem Impuls, weil er oder sie gerade keinen Zugang dazu findet. Das würde die Grundidee der Blognacht ab absurdum führen. Nur um mitzumachen etwas schreiben, worauf man keinen Bock hat? Warum? Und was ich auch nicht möchte: Ich möchte nicht dafür verantwortlich gemacht werden, wenn ein Impuls mal nicht passt. Ich bin nicht Schuld daran, wenn einzelne Teilnehmende sich den Impuls vornehmen, sich innerlich dagegen sperren und trotzdem irgendwas schreiben. Weder der Impuls noch ich sind dafür verantwortlich und ich finde es ehrlich gesagt mehr als unangemessen, mich dafür zu kritisieren.

Es sind nur Worte. Manchmal sogar nur Wörter. Die Bedeutung der Wörter liegt bei euch. Die Umformung eines Impulses liegt bei euch. Die Freiheit, etwas völlig Neues aus den Wörtern zu stricken, liegt bei euch. Die Entscheidung, nicht zu schreiben, liegt auch bei euch. Nicht bei mir.

Es sind nur Impulse

Manchmal lese ich auch im Nachhinein Kommentare zur Blognacht, die in etwa so lauten: „Oh wow, so war der Impuls also gemeint – warum bin ich nicht darauf gekommen?“

Ich möchte entschieden widersprechen. Die Impulse sind gar nicht irgendwie gemeint, sie sind nur Impulse. Sie lösen etwas aus, stoßen etwas an – oder halt nicht. Jede Interpretation ist „richtig“. Mich freuen besonders die, die am weitesten von meiner eigenen entfernt sind, denn da darf ich selbst überrascht sein, was noch in diesen Wörtern steckt. Es geht doch nicht darum, eine Aufgabe zu erfüllen. Es geht darum, zu schreiben. Zu erzählen. Spaß zu haben. Sich zu verbinden mit Geschichten – den eigenen und denen der anderen. Wir können entdecken: Uns selbst, unsere Gedanken, unsere Ideen, Assoziationen. Und dann darüber staunen, was die anderen gemacht haben.

Nicht anderes ist das hier. Ich schreibe, weil ich irgendetwas erlebt habe. Etwas gelesen, gesehen, gefühlt, gehört. Und ich denke mir: Das möchte ich dir erzählen. Ich verbinde mich mit meinen Gedanken und erzähle. Nichts daran ist richtig oder falsch. Es ist nur Erzählen. Du kannst es lesen oder nicht. Und vielleicht kannst du etwas fühlen. Etwas weiterdenken. Reflektieren. Möglicherweise berührt dich etwas an meinem Text so sehr, dass du ihn eine Weile mit dir herumträgst oder ihn sogar mit anderen teilst und besprichst. Das wäre das, was ich mir wünschen würde.

Schreibimpulse sind es übrigens auch, die mich dazu brachten, unter #LebenSchreibenAtmen mein autobiografisches Schreiben zu entdecken. Diese Beiträge sind genausowenig richtig oder falsch, wahr oder gelogen wie das, was in der Blognacht geschrieben wird. Es sind nur Impulse, die etwas in mir anstoßen oder eben nicht. Druck ist der schlechteste Schreibratgeber. Perfektionismus der zweitschlechteste. Bewerte nicht den Impuls, auch nicht den Text. Fühl ihn oder lass es bleiben.

Die Blognacht ist eine Aktion, die ich im Februar 2021 gestartet habe. Alle vier Wochen kann man mit mir und anderen gemeinsam an den eigenen Blogs oder anderen Schreibprojekten arbeiten. Ohne Anmeldung, ohne Zwang, kostenlos. Ich mache das, weil ich weiß, wie wohltuend Schreiben ist. Ein Rahmen, der daran erinnert, sich regelmäßig dem Schreiben zu widmen, ist deswegen kostbar – er gibt den Raum, in dem Texte entstehen, die sonst vielleicht nie geschrieben worden wären. Alle Schreibimpulse der vergangenen Blognächte findest du hier – du kannst sie nehmen und einfach schreiben.

Du kannst mir übrigens einen Kaffee-Regen schenken, wenn dir danach ist. Weil Geben und Nehmen zusammengehören. Meine Kaffeekasse findest du hier.

Ein Kommentar

  1. genau das! Ich freu mich auch immer, wenn ich diese vielfältigen Geschichten lese, und oft denke ich dann, ach, guck mal an, diesen Aspekt des Impulses hatte ich überhaupt nicht gesehen, wie schön. Ich bin froh für die Blognacht, auch wenn ich es die letzten Male nicht geschafft habe mitzumachen. Liebe Grüße und alles Gute Inga

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