Um mich herum sehe ich gerade viele Menschen, die sich in einer Art Kontinuum bewegen. Sie pendeln zwischen Aufbruch und Neubeginn auf der einen, und Reduktion und Stillstand auf der anderen Seite. Es sind unsichere Zeiten und niemand weiß, was kommen wird. Dementsprechend schwierig ist Planung. So machen sie einfach weiter, machen wir alle einfach weiter. Schalten hin und her von der Anziehungskraft neuer Ideen und dem Impuls, ganz viel machen zu wollen, und der Überforderung und dem Wunsch nach Ausruhen, nach Pause. Denn es gibt keine echten Pausen mehr. Auf Corona folgte Krieg, auf Inflation der unfassbare Aufstieg rechter Kräfte. In dieser Dauer-Erregung sollen wir nun funktionieren und wissen nicht mehr, wie das geht. So scheint es mir jedenfalls.
„Wann ist Pause für dich erlaubt?“ – diese Frage stellt Christina in ihrer Blogparade, zu der sie mich eingeladen hat. Und obwohl ich schon oft von meinen kleinen Abenteuern, meinen kurzen Fluchten vor der alltäglichen Verantwortung und davon, dass ich ab und zu die Welt anhalte, geschrieben habe, fand ich es spannend, den Pause-Begriff noch einmal aufzugreifen.
„Ich bin nicht gut darin, Pause zu machen.“
Diesen Satz habe ich früher schon geschrieben, er gilt bis heute. Die große Müdigkeit ist immer noch ein Thema für mich. Ich nehme eigentlich immer Arbeit und To-dos mit in vermeintliche Auszeiten, sogar dann, wenn ich auf Reisen bin. Abschalten fällt mir schwer, denn ich weiß: Es gibt immer was zu tun. Außerdem reißt der Fluss an Nachrichten und Impulsen nie ab, egal wo man sich befindet. Selbst dann, wenn man alles verdrängt, alle Quellen von Nachrichten und Statusmeldungen abschaltet, trifft man auf Menschen, die fragen: Hast du schon von xyz gehört?
Ganz abschalten ist also schwierig für mich, das ist sicher auch ein Grund für die Müdigkeit, die mich ab und zu überfällt. Dabei weiß ich, dass ich nicht warten sollte, bis mein Körper mir eine Pause aufzwingt, sondern vorher aktiv (oder eben inaktiv) werden sollte.
Es ist also für mich nicht so sehr die Frage, wann ich mir Pause erlaube, sondern wie ich sie gestalte, damit sie etwas für mich tut. Und so, dass ich hinterher kein schlechtes Gewissen habe, weil ich die Zeit vielleicht nicht auf die beste Weise genutzt habe. Die Perfektionistin in mir macht ja auch keine Pausen.
Größere Pausen wie Urlaub und Reisen sind nicht meine erste Wahl. Eben weil mein Kopf immer mitläuft und ich ihm das auch nicht durch eine Abwesenheitsnotiz in meinem E-Mail-Programm oder einen cleveren Zeitplan abtrainieren kann. Ich konzentriere mich daher immer schon auf die kleinen Einheiten.
Wenn große Pause nicht geht, dann zelebriere die kleine
Junior und ich sind Meister im Dröseln. Das ist Zeit, die nicht verplant ist und die wir genau so verbringen können, wie wir es gerade brauchen. Es ist geblockte Zeit fürs Nichtstun. Und trotzdem tun wir natürlich etwas. Wir lesen, spielen, machen Spaziergänge, ich geh ab und zu laufen, wir können auch im Park Tischtennis spielen oder gemeinsam kochen, Serien schauen oder andere Dinge.
Das Wichtige am Dröseln ist nicht, was wir in dieser Zeit tun, sondern dass wir auch entscheiden könnten, nichts zu tun. Manchmal verbringen wir die Zeit gemeinsam, aber nebeneinander. Und wenn uns danach ist, dann besprechen wir, ob beiden nach Aktivität ist oder nicht. Aber was wir nie machen, ist auf die Uhr schauen oder uns Druck machen, weil im Hinterkopf schon die nächste Aufgabe oder der nächste Termin lauern. An unseren gemeinsamen Wochenenden machen wir daher Pläne. Da steht dann zum Beispiel drauf:
- Haushalt
- Einkaufen
- Oma besuchen
- Laufen
- …
- und eben Dröseln!
Diese Zeit ist uns heilig, wir planen sie deswegen ein. Ein Wochenende, an dem wir nur von Termin zu Termin hetzen, wäre wenig erholsam. Klar machen wir auch mal Ausflüge, gehen auf Flohmärkte oder irgendwelche Events, wenn etwas ansteht, treffen Freunde… Aber auf dem Plan steht eben auch dröseln. Und wenn wir dieses „To-do“ nicht erledigen, sind wir meist unzufrieden.
Junior achtet darauf, das ist auch gut so. Er ist auch der, dem es auffällt, wenn wir mal zu viel geplant haben. Dann sagt er das auch. Zum Beispiel, als er meinte, wir hätten auch schon länger nicht mehr einfach nur rumgelegen. Sollten wir mal wieder machen. Denn es braucht eben auch Zeit, die nicht verplant ist. Die man einfach nutzen kann und es ist egal, ob dabei etwas entsteht, ob man produktiv war oder nicht.
Was brauchst du zum Runterfahren?
Da ich ja weiß, dass ich schlecht darin bin, runterzufahren, zwinge ich mich manchmal dazu, so gut es eben geht. Wenn Junior nicht bei mir ist, fällt immer ein bisschen Anspannung weg, Verantwortung ist einfach etwas, das wiegt. Selbst dann, wenn die Kids schon größer sind und man gar nicht mehr ständig gebraucht wird. Daher ist für mich der zweite Kaffee des Tages meist der beste Kaffee. Nur für mich. Noch bevor die Aufgaben des Tages so richtig angeklopft haben.
Und an den Wochenenden, die ich ohne Junior verbringe, fahre ich gern weg. Zu meinem besten Freund, auf nen Spaziergang und nen Filmabend. Oder zu meinem Freund, da ist es eigentlich egal, was wir machen. Klar kann ich auch zuhause sein und die Zeit für mich verdröseln. Aber tue ich das, dann sehe ich meinen Haushalt, all das, was ich auch noch tun sollte. Daher fahre ich gern zu meinem Freund, liege in seinem Arm und lese vor oder bespreche, warum die Welt gerade wieder so verrückt ist.
Ich denke, es braucht für Pausen keine Tipps, sondern eine innere Einstellung. Ein positives Framing. Ein Wochenende ohne Pläne, mit viel Schlaf und Gesprächen, ein bisschen Bewegung und gutem Essen ist möglicherweise die beste Pause für mich, aber das kann für andere ganz anders sein. Man muss vielleicht wissen, welche Aktivitäten oder Inaktivitäten beruhigend wirken. Und dann ist es ganz leicht: Zeit finden. Ruhe zur Priorität machen. Muss nicht zwei Wochen lang sein. Manchmal reicht ein Tag im Arm des richtigen Menschen.
Also wann ist Pause für mich erlaubt? Immer. Wann kriege ich sie gut unter und kann wirklich abschalten? Wenn ich die richtigen Bedingungen dafür herstelle. Immer mit Blick auf den Kontext und die Menschen um mich herum. Und vor allem auf mich.
Dieser Beitrag ist Teil der Blogparade „Wann ist Pause für dich erlaubt?“ von Christina Reinisch. Noch bis zum 6. September kannst du teilnehmen.
Du kannst mir übrigens einen Kaffee-Regen schenken, wenn dir danach ist. Weil Geben und Nehmen zusammengehören. Meine Kaffeekasse findest du hier.
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