Wenn man Junior fragt, was er gern essen möchte, dann antwortet er (fast) immer: „Porree-Auflauf!“ Und wenn man ihn fragt, welches Spiel er spielen möchte, dann nennt er (fast) immer eins seiner drei liebsten Spiele. Und das, obwohl wir so viele verschiedene Spiele im Schrank haben. Und so gern ich Biberbande oder Uno auch spiele – irgendwann hängt mir das zum Hals raus und ich denke: Nicht schon wieder!

Als Kind wollte Junior gern immer wieder die gleichen Geschichten vorgelesen bekommen – ich habe mich gewehrt und ihm dann Alternativen vorgeschlagen, aber meine Ma hat ausdauernd und immer wieder „Die Kinder von Bullerbü“ mit ihm gelesen (oder ein anderes liebstes Astrid-Lindgren-Werk).

Er liebte diese Heile-Welt-Geschichten, in denen es um Bonbons und kleine Streiche ging, aber vor allem um Kindheit, um Gemeinschaft, um Freundschaft. Letztlich um Verbindung. Und so sehr ich immer wieder die Augen verdrehe, wenn Junior mal wieder das gleiche spielen oder essen möchte (Bullerbü ist mittlerweile durch)… Letztlich machen wir das doch alle so.

Jedem sein Bullerbü!

Als ich noch gekellnert habe, fand ich es oft lustig, wenn ich die Bestellungen der Stammgäste schon bearbeitet hatte, bevor sie überhaupt bestellten. Denn die Stammgäste wollten jede Woche das gleiche. Sie kamen von ihrem wöchentlichen Sportprogramm und danach bestellten sie immer gleich: Das gleiche Essen, das gleiche Getränk, danach noch Cappuccino. Oder aber das Hefeweizen und die Lieblingspizza. Oder den liebsten Salat, eine große Portion, eine kleine, dazu zwei Mal Apfelschorle.

Von den Gästen, die an den Tagen kamen, an denen ich meine Schichten hatte, kannte ich die Gewohnheiten. Ich wusste, wann sie vom Platz kommen, wie lange sie in der Sauna bleiben und wann ich ihnen ihr Bier einlassen konnte. Jede Woche wieder.

Wenn wir mal Pizza essen waren, dann hat mein Opa immer Pizza Mista bestellt – keine Ausnahmen. So ist das eben mit den Lieblings-Dingen. Wir können es auch Muster nennen, gibt eben Sicherheit. Das ist ja auch der Grund, warum ich als Jugendliche früher in fremden Ländern gern mal bei McDoof war (wie dumm ich war, da habe ich viel verpasst!): Mich und meine Begleiter*innen leitete die Idee, dass es dort wie zuhause schmeckt. So in etwa stimmt das ja auch. Keine Überraschungen also, keine Experimente. Das Bewährte.

Und an dieser Stelle muss ich dann zugeben: Ich mach das selbst auch – auch heute noch.

Und dann dachte ich an mich selbst…

Jeden Mittwoch geht Junior zum Kickboxen. Und während er schwitzt, gehe ich in eine Eisdiele oder in ein Café. Jetzt darfst du raten, was ich da bestelle? Einen großen Latte Macchiato natürlich. Gehe ich mit meinem Freund Christian in unser Lieblingscafé, dann bestelle ich…? Latte Macchiato. Da das Kuchen-Angebot dort variiert, variiert auch die Auswahl. Aber eigentlich ist es doch immer ähnlich.

Wenn ich laufe, dann gerne die gleiche Runde. Zumindest laufe ich immer den gleichen Anfang, die Runde startet in die gleiche Richtung. Ich kann sie verlängern, einen oder mehrere Bögen dranhängen, aber grundsätzlich mag ich es, wenn sich eben nicht viel ändert. Beim Fahrradfahren darf es gern fremdes Terrain sein, aber nicht beim Laufen. (Ich habe auf Anraten mal versucht, andersherum zu laufen, das fühlte sich furchtbar an!)

Und dann gibt es noch ein paar andere Dinge, die ich gern immer wieder mache – ist ja auch logisch, dass wir uns Muster zulegen, wir haben doch auch so schon zu viele Entscheidungen zu treffen.

Zwischen Tradition, Routine und (nervigen) Mustern

Zu viele Möglichkeiten, also lieber das Bewährte. Das denken sich jetzt bald sicher auch wieder viele Menschen, wenn sie die TV-Programme und Mediatheken nach den Sissi-Filmen oder 3 Haselnüsse für Aschenbrödel durchforsten. Und ich? Ich schau mal, ob wir uns „Der kleine Lord“ anschauen oder ob ich mir am 31. Dezember Zeit nehme für..? Genau.

Nicht schon wieder! Tja. Regeln, Routinen und Muster haben wir alle. Solange wir niemanden damit behelligen, ist das auch ganz wunderbar, es sei denn, man möchte gezielt ein Muster auf- oder durchbrechen.

Aber wenn andere im Spiel sind, sehen die unsere Lieblings-Sachen vielleicht anders als wir: Nämlich als nervige Vorliebe, als Einschränkung, als was auch immer. Aber fair ist das nicht. Also bevor wir die Augen verdrehen und dieser Satz in unserem Kopf entsteht, können wir doch kurz innehalten und drüber nachdenken, an welchen Stellen wir versuchen, unsere eigenen Vorlieben „durchzudrücken“.

Und ganz ehrlich: Wenn du mich fragst, welches Spiel ich spielen möchte, dann sage ich gern mal: Skat, Cascadia oder Phase 10.

Dieser Beitrag ist in der 62. Blognacht entstanden. Das Impulsthema: „Nicht schon wieder!“

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4 Antworten

  1. Ausgetretene Pfade sind halt einfach bequem und das sage ich als professionelle „Songs auf Dauer-Repeat“ Hörerin.

    Wie sagte schon Bilbo aus „Der Hobbit“ von Tolkien: „Es ist eine gefährliche Angelegenheit, Frodo, aus deiner Tür zu gehen. Du gehst auf die Straße, und wenn du nicht auf den Beinen bleibst, weißt du nicht, wohin du gefegt wirst.“

  2. „Same procedure as every year,Miss Sophie…?“
    „Same procedure, James.“

    Die sogenannte Macht der Gewohnheit hat einen Vorteil, Du musst nicht ständig neue Entscheidungen treffen bist daher eher gegen die sogenannte „Decision Fatigue“ gewappnet. Es gibt zwar auch Leute die behaupten, dass diese „Decision Fatigue“ gar nicht existiert, trotzdem hat z.b. Steve Jobs sein Standard-Outft mit dem Rollkragenpulli so gewählt, dass er nicht jeden Morgen entscheiden muss was er anziehen soll.

    Und ja, es ist auch hölllisch schwer, seine Gewohnheiten zu durchbrechen. Also für andere weniger berechenbar zu sein, und sei es nur bei der Frage welches Getränk in der Wirtschaft getrunken wird. Plötzlich muss man sich wieder Gedanken über die möglichen Alternativen machen und ja, das kostet Energie.

    Wir sind halt Gewohnheitstiere, oder wie es Dan Ariely in seineem sehr empfehlenswerten Buch empfiehtl „predictably irrational“.
    Und genau das macht uns zu Menschen.

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