Auf Instagram oder LinkedIn sieht Selbstständigkeit gern mal nach einem unbedingten Erfolg aus. Alle Schritte sorgfältig durchdacht und durch Social Media dokumentiert, so als hätte man immer genau gewusst, was zu tun ist. Im Rückblick reihen sich die Entscheidungen auch logisch aneinander, ist ja klar. Dass es aber viele, viele Umwege und Irrwege gibt, wird nicht so oft gezeigt. Erst im direkten Gespräch kommt man dann doch mal überein, dass viele Entscheidungen und Prozesse Mist waren und man auch oft Zeit und Geld verschwendet hat. Alles andere als zielstrebig und nachhaltig.

2020 habe ich nach „28 Tage Content“ mein Jahresprogramm angeboten. Ein ganzes Jahr mit mir, eine zeitlich begrenzte Membership sozusagen, ein Jahr lang Impulse und Begleitung zum Thema Bloggen. Zehn Menschen wollten mit mir gehen, ganz unterschiedliche Leute mit unterschiedlichen Projekten. Aber alle mit der Idee, jetzt fokussiert ein Jahr lang den Blog aufzubauen, an der Sprache zu arbeiten, an den Themen, den Botschaften, dem Stil.

Dieses Jahresprogramm war kein „schau mal, was wir für geilen Scheiß machen“ – Material. So war es zwar geplant, aber so habe ich es nicht durchgezogen. Denn Februar 2020, du erinnerst dich vielleicht, änderte sich die Welt. Die Bedürfnisse der Gruppe waren auf einmal ganz andere als gedacht, manche saßen plötzlich in Spanien fest, andere hatten plötzlich zwei Kinder zu beschulen, wieder andere kämpften mit Liquidität, weil ihnen das komplette Business zerschossen worden war.

Wir bloggten also. Aber ich habe den Plan und das Programm an so vielen Stellen umgeschmissen, weil es gar nicht mehr ums Schreiben ging, sondern ums Durchhalten. Anstatt also geilen Scheiß zu machen, habe ich Motivations-Sprüche verschickt und Dranbleiben-Parolen per Video-Chat geteilt.

Unterwegs habe ich einige Teilnehmerinnen verloren, das hat mich getroffen, aber ich wollte sie in ihren schwierigen Situationen auch nicht auf den geschlossenen Vertrag festnageln. Wirtschaftlich war es eine nette Grundlage, aber die Abbrüche taten schon weh.

Im Rückblick habe ich da versucht, eine Gruppe zu halten, die jeden Monat neu zusammengestellt wurde. Denn ständig passierte irgendetwas, das dann auch Raum bekam. Denn ich hätte nicht meine fachlichen Inputs und Feedback-Runden durchziehen können, während bei den Teilnehmerinnen die Welt unterging.

Am Ende des Jahres war ich sicher: Das mache ich kein zweites Mal – egal unter welchen Umständen. Auch nicht nach Corona. Nein, nie wieder. Gruppen-Trainings ja, aber keine langfristigen oder gar dauerhaften Formate. Nur noch das Programm zu Ende bringen und fertig.

Und dann…

kam 28 Tage Content 2021. Ich mache das ja jedes Jahr im Februar, also auch 21 wieder.

Wie immer gab es tolle Meetings, anregende Gespräche und Diskussionen, tolle Ergebnisse und Erfahrungen der Teilnehmenden, eine Atmosphäre, die mir selbst wieder Lust auf Schreiben machte.

In und nach den vier Wochen Schreiben und Diskutieren bekam ich so viele Rückmeldungen, ob ich nicht ein dauerhaftes 28TC anbieten wolle. Die Impulse würden ja schließlich fehlen, wenn sie plötzlich nicht mehr kämen. Der Austausch würde auch fehlen. Ich würde fehlen.

Um mich herum bauten gerade alle kleine oder größere Communitys auf, das wurde ja als perfektes Businessmodell verkauft. Und ich war noch immer mit dem Jahresprogramm beschäftigt, das mich so sehr gefordert hatte und bei dem ich das Gefühl hatte, gescheitert zu sein. Nie wieder.

Die Teilnehmerinnen des Jahresprogramms hatten für mich zum Abschluss ein wunderschönes Feedback gebastelt, wir hatten gemeinsam ein schönes Ende dieser Schicksalsgemeinschaft gefunden. Trotzdem: Nie wieder.

Was soll ich sagen: ich habe mich überreden lassen. Habe mich blenden lassen von regelmäßigen Mitgliedsbeiträgen als Einkommensquelle, von den lauten Rufen nach einer Gruppe und wohltuendem Austausch. Und vom schönen Feedback.

Mein Mitgliederbereich ging Anfang Mai 2021 online, aber ich hatte keine Energie, war nicht wirklich dabei, stand nicht hinter der Idee. Ich wollte mich nicht mehr an langfristige Formate binden und das merkten alle. Ich auch.

Ich konnte nicht viele Menschen überzeugen, nur die, die wirklich über Entzugserscheinungen geklagt hatten. Nicht mal ein halbes Jahr habe ich durchgehalten. Schon Ende September kündigte ich die laufenden Buchungen und mein liebloser Versuch einer Schreibcommunity war Geschichte.

Eine kurze Geschichte.

Da lässt sich nichts beschönigen. Kann man nichts draus machen. Ich kann nur was draus lernen:

  • Ich sollte auf mein Bauchgefühl hören und getroffene Entscheidungen ernst nehmen.
  • Wenn ich etwas nur tue, weil es alle machen oder empfehlen, dann wird es meistens scheiße.
  • Improvisieren ist zwar eine meiner Stärken, aber die hilft mir nichts mehr, wenn ich keine Energie und auch irgendwie keine Lust habe.
  • Etwas zu tun, hinter dem man gar nicht steht, schadet mehr als es nutzt. Denn dass ich gescheitert war, hatten sehr wohl einige Leute mitbekommen.
  • Ich bin nicht der Typ, der sich dauerhaft an Formate oder To-dos bindet. Langfristig ja, aber immer nur als kleine Fleckchen in meinem Alltag. Wie 28 Tage Content (einmal pro Jahr), die Blognacht (alle vier Wochen) oder meine Podcasts und Social-Media-Kanäle. Da habe ich Freiheiten und fühle mich nicht völlig begrenzt und belegt.

Flexibilität und Unabhängigkeit sind mir so wichtig, dass ich mich schnell eingeschränkt fühle, wenn ich regelmäßig „vorturnen“ und „performen“ muss – selbst dann, wenn diese Diskussionsformate und Online-Trainings Selbstläufer sind, das kann ich einfach. Aber ich möchte mich nicht binden. Nicht an die Arbeit.

Es ist gut, dass ich langfristige Formate getestet habe, auch, dass ich diesen halbherzigen Versuch noch gewagt habe. Aber letztlich weiß ich: Nicht mein Modell. Nie wieder. Du kannst meine Begeisterung punktuell haben, aber nicht dauerhaft.

Dieser Beitrag ist in der 71. Blognacht entstanden. Das Impulsthema: „Dieser Weg war nicht glanzvoll. Aber wertvoll.“

Du kannst mir übrigens einen Kaffee-Regen schenken, wenn dir danach ist. Weil Geben und Nehmen zusammengehören. Meine Kaffeekasse findest du hier.

Ein Kommentar

  1. Toll, welche Beiträge aus deinem Impuls entstanden sind. Erst jetzt fällt mir ein berühmtes Beispiel dazu ein: Die Entdeckung Amerikas durch Kolumbus! Darauf ist keiner von uns gekommen…

    Aber alle, die ich bisher gelesen habe, haben irgendwie über das Finden des eigenen Wegs geschrieben. Mal sehen, was Thomas daraus macht. 😉

    Jedenfalls Danke für deine monatlichen Gehirnanstupser!

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