Mir ist letztens aufgefallen, dass Langsamkeit und Langeweile gern mal zusammen benutzt werden. Ein Buch, das sich Zeit lässt, um in die Geschichte einzuführen, ein Film, der Zeit darauf verwendet, Personen erst vorzustellen, bevor krasse Dinge passieren. Und dann natürlich Content im Internet, der nicht mit nem krassen, emotionalen Erlebnis beginnt und mit schnellen Schnitten und grellen Farben arbeitet: Langweilig.
Ich persönlich finde das überhaupt nicht und habe in meinem Verbindung schaffen – Podcast auch schon mal darüber sinniert, dass die Verbindung zur Langsamkeit Vorteile hat. Langsam reisen, langsam laufen, langsam (und lange Texte) lesen, Podcasts langsam (und aufmerksam) und nicht in dreifacher Geschwindigkeit abspielen. Das alles macht was mit uns. Und muss gar nicht langweilig sein.
Auch beim Schreiben darf es mal langsam zugehen, denn schnell und „produktiv“ ist nicht immer gut. Langsames Denken ist auch in keiner Weise langweilig, sondern es hilft dabei, Dinge wirklich zu durchdringen und eben keine voreiligen Schlüsse zu ziehen.
Wie komme ich nun von Eile und Schnelligkeit und Langsamkeit zu dem schönen Wort „kurzweilig“? Es ist eigentlich ganz einfach. Ich wollte gern Texte über diese „Anti-Langeweile“ lesen. Denn was wir als langweilig empfinden, ist ja höchst subjektiv – und das, was uns kurzweilig vorkommt, ebenso. Also her mit den Geschichten!
Kurzweilige Gespräche
Du kennst sicher diese Gespräche, bei denen du nach zwei Stunden wüst unterbrochen wirst, weil der Mobilfunkanbieter Anrufe nach zwei Stunden trennt. Ist ja auch gut, dann kann es dir nicht passieren, dass du am Handy einschläfst und die ganze Zeit weitertelefonierst.
Aber bei dieser Art Gespräche kommt das eh nicht vor, da schläft niemand ein. Man springt von Thema zu Thema, saugt alles auf, was der oder die andere sagt und hinterher kann man kaum noch rekonstruieren, wie man nun an dieser Stelle des Gesprächs gelandet ist.
Diese Art Gespräch ist für mich der Inbegriff von kurzweilig. Weil die Zeit einfach wegläuft, ohne dass es von Belang wäre, weil es nichts gibt, das gerade wichtiger wäre als dieser Anruf.
Es gibt auch Vorträge, die so sind – kurzweilig. Da hängt man an den Lippen des Redners oder der Rednerin und kann auch hier hinterher kaum rekonstruieren, wie in dieser Rede Themen ineinandergelaufen sind, Geschichten als Rahmen wieder aufgegriffen wurden oder wieso die Fragen ans Publikum an genau der richtigen Stelle kamen. Man möchte die ganze Zeit nur nicken, ist völlig vereinnahmt. Nach solchen Vorträgen ist es doch durchaus angemessen, den Ausdruck „kurzweilig“ zu wählen.
Die langen und die kurzen Weilen
Ich schreib hier nur ne Weile. Manchmal kommt mir die Weile lang vor, wenn ich um Worte ringe oder wenn ich abgelenkt bin und zwischen meinen eigenen Gedanken nicht den roten Faden finde. Aber manchmal schreibe ich auch einfach einen Text runter, das Schreiberlebnis ist dann kurzweilig.
Cool an dieser ganzen Nummer ist aber: Du liest es dem Text meist nicht an, wie ich ihn geschrieben habe – es sei denn, ich will das so. Und du kannst dann für dich entscheiden, ob die Weile, in der du gelesen hast, für dich lang oder kurz war. Das ist natürlich nur eine Art, Texte zu „beurteilen“. Du kannst auch sagen: „Der hat mich bewegt“ – das ist mir am liebsten übrigens. Oder: „Der hat etwas in mir bewegt, angestoßen.“
Wenn das der Fall ist, frag ich auch nicht mehr nach Langeweile. Denn mit einem Gedankenanstoß, der dann in dir weiterarbeitet, kannst du dich eigentlich nicht langweilen, oder?
Ich wünsch dir jedenfalls viele kurzweilige Erlebnisse in der nächsten Zeit und ich geb dir noch einen Stups zum Nachdenken mit: Die analogen Erlebnisse, am besten noch die mit anderen, kommen dir vielleicht langsamer vor als das, was die digitale Welt dir bietet. Sie sind aber oft das Gegenteil von langweilig, denn es steckt meist mehr drin als man zuerst denkt. Und: Sie entschleunigen dich. Daher halte es besser öfter mit Peter Lustig: Abschalten! – für mehr kurzweilige Erlebnisse.
Dieser Beitrag ist in der 60. Blognacht entstanden. Das Impulsthema: „Kurzweilig“
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2 Antworten
[…] Wie immer schließt mein eigener Artikel soll hier wieder die Liste ab, der zeichnet einen Bogen von Langeweile und Langsamkeit über kurzweilige Erlebnisse hin zum Schreiben und Lesen: Kurzweilig […]
Interessant! Diesmal sind viele Beiträge ähnlich, es geht um Langeweile oder Wellen oder beides. Ich fand es diesmal auch irgendwie kurzweiliger als sonst. Komisch…
Jedenfalls Danke für den Impuls, meine Liebe – und vielleicht krieg ich Thomas ja doch noch zu seinem eigenen Blog?