„Steht dir!“, sagte der Typ in der Fahrradwerkstatt zu mir. Er hatte mich gebeten kurz sein Rad zu halten (so ein Rad, das keinen Fahrradständer hat – zu viel Gewicht!), weil er jemandem helfen wollte, den Sattel von einem anderen Rad zu lösen. Und ich, die ich entspannt auf seinem Rad lehnte, meinte nur: „Danke!“ und schmiss mich noch mal in Pose. Wir quatschten dann noch kurz über lose Schutzbleche und knarzende Kurbeln und dass alles auch schlimmer sein könnte mit den Rädern. Dann war er wieder weg.
Als ich anderthalb Stunden später nach Hause radelte, traf er an einer Ampel auf mich. „Ach witzig, man trifft sich immer zweimal!“, rief er und hielt neben mir. „Stimmt, ist ja Bielefeld“ lachte ich und als die Ampel grün wurde radelte ich los und fuhr ihm davon, er hatte wohl verpasst, dass es grün geworden war. Ich hatte gar nicht bemerkt, dass er noch hinter mir war, als er noch mal neben mich gefahren kam und meinte: „krass, das hätte ich ja nicht gedacht, dass du aus dem alten Rad noch so viel rausholen kannst!“
Es war ein bisschen witzig, denn die Schaltung von meinem Rad war seit einer Ewigkeit kaputt gewesen und somit war ich sehr lange gezwungenermaßen ausschließlich im höchsten Gang gefahren. Jetzt nach dem Werkstattbesuch konnte ich wieder schalten und das war toll – vor allem beim Anfahren. Ich erklärte ihm, dass sich das anfühlt wie im Himmel grad und dass ich noch den hohen Gang gewohnt bin, vor allem beim Antritt. Er grinste, ich fuhr weiter.
Und im nächsten Augenblick ruft er hinter mir: „Ach man, jetzt habe ich meine Abzweigung verpasst“, und daraufhin musste ich lachen. Als er dann die nächste Abzweigung anvisierte, rief ich ihm noch ein „schönen Abend“ zu und das war’s. Aber geschmeichelt war ich schon. Der Typ war bestimmt 10 Jahre jünger als ich, was genau der da an der Uni gemacht hat, hab ich ja nicht erfragt. Aber das war auch egal, denn darum gings ja nicht. Nur um gute Gefühle. Zwischendurch, ein bisschen lockere Konversation und freundliches Lächeln. Ich liebe diese kleinen Flirts – geht übrigens auch mit Frauen.
Freundlichkeit, auch mal mit nem Augenzwinkern
Ich steh wirklich total auf diese kleinen Momente im Alltag, wenn man sich kurz Zeit nimmt, ein Späßchen macht oder eben ein klein bisschen flirtet. Nichts Dramatisches, nichts Ernstes, nur ein Spiel. Ein Spiel, das gute Gefühle macht. Ich habe auch immer großen Spaß daran, mit dem Servicepersonal rumzualbern, wenn ich im Café oder Restaurant bin. Dann frage ich nach Empfehlungen, schenke mein schönstes Lächeln und freu mich immer, wenn auch was zurückkommt. Einige können das besser als andere, mit denen macht das dann doppelt und dreifach Spaß.
Ich spreche auch immer mit den Verkäufer*innen beim Bäcker oder auch an Wurst- oder Käsetheke. Ein kleiner Satz kann ein kurzes Gespräch in Gang bringen und die ganze Situation auflockern. Ich glaube, die freuen sich auch darüber, wenn mal jemand mehr zu ihnen sagt als „250 Gramm Hackfleisch, halb und halb“. An der Kasse gibt es mindestens ein „schönen Tag / schönen Abend / schönen Feierabend“ von mir und mit meinen liebsten Kassierern tausche ich auch immer kurz aus, wie es so geht.
Mein Lieblings-Kaffeedealer in der Uni bekommt immer mein schönstes Lächeln und meine ganze Freude, ihn wiederzusehen. Und unser Dönermann freut sich auch immer, wenn Junior und ich montags vorbeikommen und ein bisschen Smalltalk machen.
Übrigens… Das geht auch mit völlig Fremden! Heute sprach mich ein mittelalter Mann an, der sich für mein Fahrrad interessierte – vor allem für den Rahmen, „altes Schätzchen, gibt’s doch heute gar nicht mehr sowas“… Stimmt. Und schon waren wir im Gespräch. Über Fahrräder, Qualität, Berlin, über das Wetter, die schönen Abende mit der traumhaft schönen Dämmerung in den bezauberndsten Farben. Einfach so. Einfach nett. Gute Gefühle.
Du kannst mir übrigens einen Kaffee-Regen schenken, wenn dir danach ist. Weil Geben und Nehmen zusammengehören. Meine Kaffeekasse findest du hier.
Ein Kommentar
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