„Danke für dein Verständnis“, lese ich und denke: Nein. Ich habe kein Verständnis. Ich nehme das so hin, weil ich für den Konflikt keine Kapazitäten habe. Manchmal gibt es auch keinen Adressaten für meinen Widerstand und manchmal denke ich auch: Lohnt nicht. Aber ist das wirklich so? Ist diese Resignation auf die Forderung nach Verständnis ein gutes Mittel? Ich bin mir da mittlerweile nicht mehr so sicher.
Wir sollen Verständnis haben für die Baustellen auf den Autobahnen, für die Zugausfälle, für Verspätungen, für alles, was nicht funktioniert. Du bist in einem coolen Kinder-Technik-Museum und nur die Hälfte der interaktiven Stationen funktioniert? Danke für Ihr Verständnis (bei vollen Eintrittskosten natürlich). Du hast einen Termin und wartest trotzdem ne Dreiviertelstunde vor Ort? Danke für Ihr Verständnis.
Ich meine… Es gibt viele Sachen, für die ich Verständnis habe. Zum Beispiel für den armen Kraken im Sea Life, der mit vielen Hinweis-Schildern angekündigt wurde: Hier bitte nicht mit Blitz fotografieren, denn das macht ihm Angst. Ja, für so etwas habe ich Verständnis. Natürlich. Das geht es um Rücksichtnahme und auch ein bisschen gesunden Menschenverstand, sich selbst zurücknehmen für jemand anderen. Alles klar.
Aber dann wieder lese ich den Satz in anderen Situationen und denke mir: Nein. Kein Verständnis. Zum Beispiel dann, wenn ich verabredet bin und die Person, die das angeleiert hat, sagt ab. Die Begründung: Alle anderen haben abgesagt und jetzt wären es nur noch du und ich. Dafür ist mir das zu hektisch alles.
Ich bin mal wieder nicht wichtig genug, super. Nein, dafür habe ich kein Verständnis. Ich bin mir nicht sicher, ob ich jemals dafür Verständnis haben werde (oder will). Denn wow, das ist doch mal eine Aussage, die man so nicht hören möchte: Für mehrere Menschen mache ich das, aber für dich allein ist mir der Aufwand zu hoch. Alles klar.
Nein, hier endet mein Verständnis, ich habe keins. Niemals würde ich so etwas machen. Wenn ich jemanden treffen will, dann setze ich alle Hebel in Bewegung, dass es auch klappt. Klar, Krankheit oder schlimme Dinge können dazwischenkommen. Aber alles andere… Nein.
Vielleicht bin ich da ein spezieller Fall, verwundet schon in der Kindheit an genau dieser Stelle. Aber ich finde nicht, dass ich für alles und jeden Verständnis haben muss. Nicht für schlechte Planung, nicht für falsche Prioritäten, nicht für alles, was nicht funktioniert und nicht für mieses Verhalten. Nein. Einfach nein.
Du kannst mir übrigens einen Kaffee-Regen schenken, wenn dir danach ist. Weil Geben und Nehmen zusammengehören. Meine Kaffeekasse findest du hier.
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