Ich investiere keine großen Summen in Aktien, ich stecke mein Geld nicht in Startups. Als Selbstständige muss ich natürlich was für die Zeit tun, in der ich nicht mehr arbeiten kann. Aber das war nicht der Grund für diesen Impuls, den ich mit in die Blognacht gebracht habe. In meiner Bubble bloggt kaum jemand über wirtschaftliche Themen, schon gar nicht über Anlageberatung. Aber ich denke, dass jeder Schreibimpuls eben nur das ist: Ein Impuls. Er löst einen Gedanken aus oder eben nicht. Genau wie bei abstrakten Begriffen kann man einen Impuls nehmen, ihn kneten, ihn geradeziehen oder anpassen.
Als ich in meine Selbstständigkeit gestartet bin, hatte ich nichts zum Investieren. Also… fast nichts. Business-Aufbau ohne Geld und Zeit und auch ohne Netzwerk – das ist eine langwierige und manchmal sehr frustrierende Angelegenheit. Es gab in den schwierigen Anfangsjahren aber durchaus Menschen, die in mich investiert haben. Manche mit Geld, andere mit Zeit, wieder andere, indem sie an mich glaubten. Das ist möglicherweise eine der schönsten Arten, zu investieren, denn der Gewinn ist (persönliches) Wachstum und man kann dem anderen Menschen dabei zusehen, wie er sich weiterentwickelt, mutige Entscheidungen trifft, einen Schritt nach dem anderen geht.
Ich weiß noch, als ich das erste Mal darüber nachgedacht habe, wirklich in mein Business zu investieren. In einen professionellen Auftritt, damit die Welt nicht nur durch meine Texte erfährt, dass ich ernst zu nehmen bin. Denn leider gibt es sehr viele Leute da draußen, die sich nach dem ersten Blick eine Meinung bilden. Dafür braucht man einen hübschen Anstrich, ein stimmiges Gesamtbild. Professionelle Bilder von mir gab es erst vier Jahre nach der Gründung. Woher hätte ich die Kohle auch nehmen sollen?
Investitionen in mein Business
Die Entscheidung für diesen professionellen Anstrich kam mit dem Netzwerk. Auf der einen Seite lernte ich, wie Kunden und Kundinnen tickten, auf der anderen Seite hatte ich plötzlich Zugriff auf Ressourcen, die ich vorher nicht hatte. Mein liebster Webmaster ermöglichte mir, meine Website zu erneuern, denn er investierte seine Zeit in unsere Verbindung. Und an vielen Abenden investierte er auch sein Wissen, seine Geduld und sein Können. Liebe dafür – bis heute. (Übrigens ist am 6. Juli immer der „Lade deinen Webmaster zum Essen ein“-Tag – ich finde, das sollte man mal einplanen. Oder es einfach so mal machen, geht auch im August, September, Oktober…)
Die Bilder konnte ich erst machen lassen, als ich ausreichend Vertrauen hatte. In die Fotografin, in den Prozess, in die Verbindung. Auch sie kam über das Netzwerk – ein Zufall? Möglich. Manchmal braucht es wohl Zufall, um zu verstehen: Ich mache jetzt was, von dem ich noch nicht weiß, was daraus wird. Denn was der Effekt sein würde, als ich mit neuen Bildern, neuem Corporate Design und neuer Website durchstartete, hatte ich nicht kommen sehen. Investments, die mir ermöglichten, mein Business noch einmal neu zu erfinden.
Investitionen in mich selbst
Ich finde sowieso, dass man „investieren“ größer fassen muss. Auch den Aspekt mit der Gewinnerwartung. Wir kommunizieren: Das ist letztlich auch ökonomischer Aufwand, diese Aushandlungsprozesse sind keine Kleinigkeit. Wir tun das, um etwas zu erreichen, da sind wir wieder beim Sprachhandeln. Wir pflegen Hobbys und Freundschaften, um dadurch etwas zu bekommen. Spaß, Zuneigung, Zugehörigkeit.
Klingt wie reine Berechnung? Ich denke, das dürfen wir umformulieren: Die meisten von uns wissen ja, dass Geben selten ohne Nehmen daherkommt. Sogar die selbstlosesten Menschen tun ihr „Gutes“, weil sie sich dadurch besser fühlen – wie auch immer dieses „besser“ gestaltet sein mag. Ich nehme mir Zeit für Freunde, weil ich mich in ihrer Gesellschaft wohlfühle. Ich kriege was raus, wenn man so will. Und es ist auch ein Investment in die Zukunft, denn ich weiß: Wenn ich mich nicht kümmere, verkümmern Verbindungen. Pflege ich sie, investiere Zeit, Liebe und Engagement, dann kann ich darauf bauen, dass mich solche Verbindungen auch dann tragen, wenn ich vielleicht gerade nicht investieren kann.
Jede Blognacht ist übrigens auch ein Investment, genau wie meine Blogs und meine Podcasts und noch so einiges anderes, das ich tue. Ich investiere Zeit, Geld und Nerven. Es geht nicht so sehr darum, damit Gewinne zu erzielen, und doch gewinne ich. Nicht nur dann, wenn man mir nen virtuellen Kaffee ausgibt, sondern wenn was zurückkommt. Freude, Feedback, Texte, Lob, neue Gedanken, die entstanden sind. Geben und Nehmen. Ob man das nun Investment nennen will oder nicht.
Dieser Beitrag ist in der 72. Blognacht entstanden. Das Impulsthema: „Investment“
Du kannst mir übrigens einen Kaffee-Regen schenken, wenn dir danach ist. Weil Geben und Nehmen zusammengehören. Meine Kaffeekasse findest du hier.
3 Antworten
Danke, Anna, ich habe jetzt einen Versuch gewagt. Mal sehen, was draus wird.
Danke für Deinen Beitrag.
Ich denke gerade darüber nach, ob ich in einen Neuen in meiner Fotogruppe – der gerade ausgestiegen ist, weil er findet, er sei nicht kreativ – investieren soll oder nicht. Ob er es wohl aufdringlich findet, wenn ich ihn nochmal anmaile? Ich weiss es nicht. Oder bin ich übermotiviert, ist es „too much“, nochmal hinterherzulegen (ich hatte ihm gleich versichert, wie schade ich es finde, dass er aussteigt)? Oder wäre es genau das richtige?
Das mit dem Investieren kann ganz schön Fragen aufwerfen.
Ich glaube, es ist immer gut, ganz klar zu sagen, wenn wir etwas in anderen sehen, das sie vielleicht (noch) nicht sehen können. Ich habe vor längerer Zeit mal darüber geschrieben. Damals habe ich radikal formuliert: „Es ist ein Akt der Liebe, etwas in anderen freizulegen, was sie nicht sehen, woran sie (noch) nicht glauben. Es ist Verbindung.“ Also wenn du mich fragst, dann ja: Unbedingt noch mal ansprechen 🙂
(Wenn dich der Text interessiert: https://anna-livia.de/was-du-nicht-sehen-kannst/)