Ich bin keine Süße, echt nicht, das habe ich an anderer Stelle schon mal beschrieben. Aber es gibt Situationen, in denen ich mir Nachtisch gönne. Und wenn das so ist, dann zelebriere ich das auch so richtig. Weil es einfach nicht so oft vorkommt. Logisch eigentlich, oder?
Ich meine Besuche in schicken Restaurants. Abende, an denen man stundenlang sitzt und redet und lacht. An denen Zeit ist für nen Aperitif, ne Vorspeise und ein Hauptgericht. Oder aber es gibt Tapas und man isst sich durch die vielen kleinen Leckereien. Und dann, am Ende, ist Zeit für einen Espresso und einen Nachtisch. Denn wenn schon gönnen, dann richtig.
Ich erinnere mich an Abende, an denen einfach alles stimmte. Zum Beispiel damals in Stralsund, als wir Scholle und Bratkartoffeln hatten, der Wein so unglaublich gut schmeckte und der Kellner so aufmerksam war, dass ich mich spontan in ihn verliebt hatte.
Wir saßen draußen und schauten auf den Marktplatz, sprachen über alles, was wichtig ist, und schauten uns so lange in die Augen wie wir konnten. Und als der Kellner fragte, ob wir noch eine Nachspeise wollten, war es klar, dass wir uns noch etwas Süßes teilten. Zum Espresso.
Solche Abende verlangen einfach danach, dass man einen süßen Abschluss findet. Und sie verlangen ein Trinkgeld, das zeigt, wie rundum schön alles war. Man möchte das Wort ‚perfekt‘ nutzen – weil’s einfach so war. Ich gebe dann immer einen Gruß in die Küche und hoffe, dass die Kellner meinen Dank weitergeben. Manchmal kommt der Koch vorbei und holt sich den Dank noch mal am Tisch ab – sowas liebe ich einfach sehr.
So ein Abend ist einfach ein Gesamtkunstwerk. Wenn ich das Gefühl habe, dass der Service sofort mitbekommt, wenn mein Glas leer ist, wenn alle freundlich sind, lächeln, scherzen. Und wenn es egal ist, wie spät es wird. Wenn der Nachtisch mehr Kalorien hat, als man sich vorstellen kann und trotzdem kein Gedanke daran verschwendet wird. Würde ich ihn nicht essen, dann würde etwas fehlen.
Und wenn mich der Kellner anschaut, als hätte ich einen Fehler gemacht, weil er es nicht gewohnt ist, dass seine glücklichen Gäste nicht nur auf den nächsten Zehner, sondern auf den ganzen Schein aufrunden, dann ist das der perfekte Abschluss für dieses rundum-gelungen-Erlebnis.
Während wir dann Arm in Arm nach Hause schlendern, wirkt alles noch einmal nach. Ja, das haben wir uns gegönnt. Und weil es so selten vorkommt, ist jeder dieser Abende so wertvoll und doppelt perfekt.
Dieser Beitrag ist in der 69. Blognacht entstanden. Das Impulsthema: „Man gönnt sich ja sonst nix!“
Du kannst mir übrigens einen Kaffee-Regen schenken, wenn dir danach ist. Weil Geben und Nehmen zusammengehören. Meine Kaffeekasse findest du hier.
11 Antworten
[…] Wie immer schließt mein eigener Artikel hier die Liste ab. Diesmal ist es eine Geschichte über einen besonderen Abend, einen, an dem alles stimmte und an dem es frevelhaft gewesen wäre, sich keinen Nachtisch zu gönnen: Gönn dir […]
Hab ich mir gedacht, dass du dich nicht traust meinen Kommentar zu veröffentlichen. so viel zu meinungsfreiheid. Gruß Keyvan Varashk
Dein Kommentar war leider Spam, daher wird er hier nicht erscheinen. Ich entscheide übrigens ganz selbst, wofür ich mich schäme und wofür nicht.
Was für ein wunderbarer Abend, ich liebe es, wenn alles so perfekt im Fluß ist: Das Essen, die Stimmung, das Timing!
Die Vorgeschichte zu dem Abend hab ich ja gar nicht erzählt. Aber dieser ganze Tag wäre einer, den man verfilmen könnte. Mit unerwarteten Regenschauern, mit spontanen Planänderungen, mit ungeplanten Pulloverkäufen, weil man die falsche Kleidung dabei hatte. Und dann dieses kleine Restaurant und dieser tolle Mann… Fast ein bisschen kitschig, aber damals war es perfekt.
Dieser schöne Beitrag passt perfekt zum Thema! Solche Abende sind wertvoll und kostbar, diese dann mit einem so seltenen Nachtisch und vielen freundlichen Worten abzuschließen, ist wohl eins der schönsten, was man sich gönnen kann!
Liebe Grüße aus dem Mausloch
Sabine
Genau. Wenn es so schön ist und der Kellner fragt, ob er die Karte noch mal bringen darf… oder er empfiehlt etwas… Ich liebe das einfach. Und dann bin ich echt die Letzte, die Nein sagt. Dann schmeckt es auch. Selbst Sachen, die ich sonst nie essen würde, sind dann perfekt 🙂
Liebe Grüße zu dir
Anna
So schön geschrieben. Ich fühle förmlich den schönen Abend. Herzlichen Dank.
Der Gruß an die Küche. Ich mache das auch sehr gerne. Alle sind zufrieden und glücklich.
Herzliche Grüße
Danke dir, ich habe es beim Schreiben auch wieder gefühlt 🙂
Und ja, dieser Gruß ist leider etwas, das selten gemacht wird und noch seltener wirklich ankommt. Schade, denn es gibt wirklich viele Leute, die sich den Ar*** aufreißen, um den Gästen was Besonderes zu bieten. Und bekommen dann die zufriedenen Seufzer und das mmmmmmmm nicht mit… Daher immer was sagen. Das freut die so sehr!
#Hach das hast du so schön beschrieben, dass man das Gefühl hat, dabei gewesen zu sein. Und Scholle! Mhmmmmmm! Schlußendlich habt ihr dann ja nicht nur euch was gegönnt, sondern dem Kellner auch noch.
Ja, das ist mir so wichtig! Denn der Service und die Küche haben ja einen großen Anteil daran, wenn ein Abend so perfekt ist. Ich finde, das sollten sie auch wissen. Klar, ich flirte sowieso immer mit dem Servicepersonal, aber wenn es wirklich rundum toll war, dann sag ich es auch explizit. Hab ja selbst lange, lange Zeit in der Gastronomie gearbeitet und weiß, wie schön das ist, wenn Gäste ehrlich begeistert sind und wenn es dann auch noch ein entsprechend starkes Trinkgeld gibt. Geben und Nehmen halt 🙂