„Was sind deine besten Glücksstrategien?“, fragt Alexandra Cordes-Guth und ich denk mir, ja, vielfältiges Thema, großes Thema, wichtiges Thema. Alexandra ist Coach und damit hat sie, glaube ich zumindest, auch einen sehr praktischen, ausgereiften und systemischen Blick auf das Glück oder das Glücklichsein. Ich hab den nicht, und ich habe auch keine Strategien. Zumindest würde ich das so nicht nennen. Klingt jetzt in meinem Kopf so, als hätte ich doch was dazu zu sagen, ne? Also los.

Glücklichsein ist ganz einfach – ja, ich mein das ernst. Glücklich bist du dann, wenn du ganz bei dir bist, im Moment. Das Problem ist nur, dass wir das so selten sind. Dabei gibt es in den meisten Leben genug Momente, in denen es angebracht wäre. In denen es eine gute Idee ist, den Moment zu verlängern, ihn genau zu fühlen und nicht einfach weiter zum nächsten To-do, zum nächsten Thema zu hopsen.

Im Sommer oder Frühsommer habe ich mit meinem Freund einen Spaziergang gemacht und es gab diesen Moment, als wir einfach nur dastanden und ich hab ihn angeschaut und gedacht: „Ja. Das ist etwas Gutes. Wir machen hier was richtig Gutes.“

Vielleicht ist das das beste Beispiel für Glück. Es ist da, einfach so, zwischendurch, kommt so um die Ecke. Aber um es zu erkennen, zu spüren, zu glauben, musst du aber kurz die Welt anhalten. Ein bisschen länger umarmen. Noch einen Moment atmen und fühlen, wie gut das ist.

Um das Glück zu konservieren, hilft es übrigens, das Gefühl zu teilen. Im besten Fall mit einer beteiligten Person. Ich habe meinem Freund also gesagt: „Heute, das war schön, Und ich hab gemerkt, das ist was Gutes.“

Aufschreiben geht aber auch. Ob du das nun öffentlich machst, wie ich, oder aber nur für dich, ist egal. Das ist echt Geschmackssache.

Schokomomente sammeln

Gemeinsam mit Peter Schmidt habe ich 40 Mal über die schokoladigen Momente in unseren Leben gesprochen, das Ergebnis ist der Podcast Schokolade fürs Ego. Die Idee hinter diesem Podcast war es, daran zu erinnern, dass wir alle diese schokoladigen Erlebnisse im Leben haben – und zwar ständig. Wir müssen sie nur erkennen und als Schokomomente einordnen, und vor allem müssen wir sie uns erlauben. Ist nämlich keine Ego-Show, sondern eine gesunde Sicht aufs Leben.

Im Podcast haben wir immer unsere Schokomomente der Woche geteilt. Das war mal

  • ein besonders schönes Feedback von Kund*innen,
  • ein Ausflug mit Freunden,
  • ein schönes Abendessen,
  • ein angenehmer Tag mit Junior, den wir gemeinsam verbracht haben,
  • ein Kinoabend,
  • eine schöne Postkarte im Briefkasten,
  • ein neuer Füller,
  • ein Mini-Urlaub,
  • ein gelungener Vortrag oder ein Seminar,
  • ein neues beste-Mama-Abzeichen,

So viel Glück gibt es zu finden im Leben, wenn wir nur darauf achten. Denn es ist doch wie in der Geschichte vom kleinen Tiger und kleinen Bär, die sich auf den Weg machen, um ihr Traumland zu finden, Panama. Was sie finden, ist mehr als ein Traum – sie finden das Glück. Und zwar in dem, was sie haben, in ihrer Freundschaft und in ihren gemeinsamen Abenteuern.

Über das kleine Glück und Panama habe ich auch schon im Verbindung schaffen – Podcast gesprochen. Ich hatte mich gefragt, wie wir uns mit dem Glück verbinden: Von kleinen Momenten, dem großen Glück und dem Traum von Panama

Das Unglück als Teil des Lebens verstehen

Das klingt jetzt vielleicht nicht so richtig nach einem Tipp oder gar einer Strategie für mehr Glück, aber ich glaube, es braucht beides. Nur wenn wir wissen, wie sich Unglück anfühlt, erkennen wir das Glück. Denn wer immer glücklich ist, findet es nicht außergewöhnlich.

Daher ist es ja gut, dass wir nicht immer glücklich sein können, das kann unser Gehirn gar nicht leisten. Wie so vieles andere auch verläuft das Glück in Phasen. Es gibt Phasen, in denen wir glücklicher sind, und solche, in denen es uns schwerfällt. Phasen, die mies sind, traurig, anstrengend – vieles also, aber nicht glücklich. Das anzuerkennen, öffnet den Blick für das Glück.

Die gute Nachricht daran: Wir können uns darin üben, die kleinen, glücklichen Momente zu erkennen. Ja, wir können uns darauf trainieren, selbst in doofen Zeiten noch gute Dinge in unserem Leben zu finden. Ob man das nun Glücksmoment nennt oder einfach „gute Dinge, die passiert sind“, ist dabei egal.

Im Fediverse und früher auch auf Twitter sammeln Menschen täglich ihre „guten Dinge“ unter dem Hashtag #3GuteDingeDesTages. Das kann ein schöner Kaffee sein oder dass die Sonne geschienen hat, ein Spieleabend mit Freunden oder Familie, ein neuer Blogartikel oder „Zeitwohlstand“, wie es Holger Moller gern so schön beschreibt.

Diese drei guten Dinge kann man natürlich auch ganz für sich in ein Journal oder so schreiben. Aber ich mag den Gedanken, dass ich mit meinen guten Momenten anderen ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann, dass wir uns zusammen freuen können und dass Menschen vielleicht inspiriert sind, selbst auf die Suche zu gehen nach kleinen Glücksmomenten. Daher schicke ich sie öffentlich in kleinen Posts in die Welt.

Und zwar immer in dem Bewusstsein, dass es auch unglückliche Tage gibt. Denn gäbe es die nicht, so wären wir wohl nur hysterisch glücklich, und das erscheint mir sehr ungesund.

Ist doch egal, was die anderen denken!

Ich glaube, es gibt Menschen, die sind so sehr mit dem Außen beschäftigt, dass sie ganz vergessen, was im eigenen (!) Leben eigentlich wichtig ist. Die können sich nicht gut auf Situationen einlassen, rumblödeln oder laut lachen in der Öffentlichkeit zum Beispiel, weil das ja peinlich sein könnte vor irgendwelchen anderen Menschen.

„Du benimmst dich wie ein kleines Kind“, sagen solche Leute dann gern, wenn man sich dieses gelebte Glück eben nicht versagt, sondern es ganz bewusst erlebt – und verlängert, wie ich oben ja schon beschrieben habe.

Über ein solches Erlebnis – oder eigentlich über viele solcher Erlebnisse – habe ich vor Jahren schon auf meinem Blog geschrieben und mich hingearbeitet zur Frage, was eigentlich wirklich wichtig ist. Und das ist eben nicht, was Katharina und Philipp über dich denken könnten, sondern das ist, bei sich zu sein.

Es gab ja auch irgendwann mal dieses hübsche Poster mit dem Schlauen Spruch:

„Tanze, als würde dich niemand sehen, liebe, als wäre dein Herz nie gebrochen, singe, als würde dich niemand hören und lebe, als gäbe es kein morgen.“

Ja, es ist nur ein hübscher Spruch. Und natürlich können wir nicht vergessen, was wir mal erlebt haben, das macht uns ja auch aus. Die Referenzerlebnisse, die wir haben, formen unsere Sprache, unsere Geschichte, unsere Idee von Welt.

Aber sich wegen der Vergangenheit das Glück zu versagen, das halte ich persönlich für dumm. Daher versuche ich immer, Begegnungen möglichst unbefangen anzugehen und mit einer positiven Grundhaltung durch mein Leben zu gehen. Hoffnungslos optimistisch vielleicht, aber mir geht es besser dadurch.

Die Glücksliste

Klar gibt es auch in meinem Leben Phasen, in denen ich das Glück nur ganz schwer erkennen kann. Bei Schokolade fürs Ego hörst du das auch, da gab es ein paar Folgen, in denen ich Mühe hatte, einen Schokomoment (in zwei Wochen!) zu identifizieren.

Wenn so etwas passiert, dann braucht es manchmal einen Impuls von außen. Und wenn gerade niemand da ist, der dich erinnert, dass auch du Schokolade in deinem Leben hast, dann kann eine Glücksliste helfen.

Die Idee ist ganz simpel: Wenn es dir gerade gutgeht, schreibst du eine Liste mit Dingen, Aktivitäten oder Begegnungen, die dich glücklich machen. Das können ganz kleine Sachen sein wie ein Kaffee aus der guten Maschine oder ein freier Nachmittag mit Buch auf dem Sofa, es können aber auch größere Dinge sein. Ein Treffen mit der besten Freundin, Sport, ein Spaziergang mit deinem Freund oder deiner Familie… was auch immer es ist, das dir guttut.

Diese Liste kann griffbereit bei dir in der Wohnung hängen oder liegen, denn in den Momenten, in denen es dir gar nicht so gut geht, kommst du vielleicht nicht auf die passenden Gedanken. Ich hatte meine Liste vor Jahren mal geschrieben und veröffentlicht, so ganz aktuell ist sie nicht mehr. Aber ich weiß, dass ich kleine Dinge fast jederzeit umsetzen kann, um mir ein bisschen Glück zu schenken.

Ich glaube, das große Glück liegt in der Sammlung vom kleinen Glück. Ein Leben voll mit kleinen Momenten, mit guten Verbindungen und guten Gefühlen, ist ein gutes Leben, ein glückliches Leben. Ab und zu müssen wir nur genauer hinschauen, ganz bewusst. Und uns fragen: Was ist eigentlich wirklich wichtig?

Hast du auch Glücksstrategien? Dann mach doch bei Alexandras Blogparade mit. Geschichten über Glück und praktische Ansätze, die glücklich machen – das kann doch nur gut sein, da mitzumischen, oder? Hier geht es zur Blogparade Meine besten Glücksstrategien – sie läuft noch bis zum 01. März 2025.

Du kannst mir übrigens einen Kaffee-Regen schenken, wenn dir danach ist. Weil Geben und Nehmen zusammengehören. Meine Kaffeekasse findest du hier.

3 Antworten

  1. Liebe Anna,

    das Glück wahrnehmen ist ein hilfreicher erster Schritt und es als solches zu benennen, vielleicht auch es auszusprechen, wie du es mit deinem Freund gemacht hast.

    Danke für die vielen kleinen Impulse, wo wir das Glück finden können.

    Liebe Grüße
    Stephanie

  2. Liebe Anna,
    ja, ich bin ebenfalls der Überzeugung, daß das große Glück aus einer Sammlung vieler kleiner Glücksmomente besteht!
    Die tägliche Herausforderung: Diese kleinen Glücksmomente zu spüren, zu sehen und zu zelebrieren. Sei es der eine Sonnenstrahl, der gerade die Nase kitzelt, eine nette Begegnung, jemand, der die Tür aufhält… etc. Sprich: einfach achtsam und zugewandt durchs Leben gehen.

    Ich weiß aber auch, dass wir Menschen das nicht immer können. Da ist ja noch so etwas wie das Leben halt.
    Doch dann bricht auf einmal so ein Sonnenstrahl durch das Himmelsgrau – und schwupp, siehe oben – ist ein kleiner Glücksmoment entstanden

  3. Liebe Anna,

    danke für diesen vielschichtigen, bunten und klugen Beitrag. Da sind wir uns in vielen Punkten sehr einig. Aber du hast es in neue Worte gepackt, so dass sich viele Glückserkenntnisse für mich ganz neu anfühlen.
    Und du hast es so schön auf den Punkt gebracht: Das große Glück liegt in der Sammlung vom kleinen Glück. So erlebe ich das auch.
    Im Grunde mache ich mir selbst ein riesiges Geschenk, wenn ich diese scheinbar kleinen Glücksmomente einsammle und mich auch über eine Glücksliste an die vielen Möglichkeiten des kleinen Glücks erinnere. Denn mein Blick für das Glück wird immer klarer und so kann ich jeden Tag ein paar Sonnenstrahlen einfangen. Auch und gerade dann, wenn düstere Gedankenwolken vorüberziehen.
    Herzliche Grüße
    Alexandra

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