Keine Zeit zum Bloggen, keine Zeit zum Lesen, keine Zeit für einen Besuch bei lieben Menschen. Keine Zeit für ein ausgedehntes Frühstück, für eine Runde Fußball im Park… und auch nicht, um mal wieder Klavier zu spielen, Kekse zu backen und einen Abend lang mit der Skat-Runde zu verbringen. Wofür aber Zeit da ist: Für Arbeit. Für unproduktives Herumsitzen, weil man zu erschöpft ist, ne Runde durch den Park zu drehen. Zeit für stundenlanges Rumdaddeln auf Social Media, ohne hinterher zu wissen, was man überhaupt gesehen und getan hat. Klar, ist alles pauschal hier. Aber es steckt auch ein Kern Wahrheit drin, oder?

Wie jedes Jahr im Februar habe ich auch jetzt wieder mein Programm „28 Tage Content“ angeboten, da geht es ums Schreiben und ums Dranbleiben, um die Beschäftigung mit dem eigenen (kreativen) Schaffen und den Zielen, die man verfolgen möchte. Und jedes Jahr bin ich wieder erstaunt, wie viele Menschen sich Zeit nehmen, um zu schreiben, sich mit ihren Themen zu beschäftigen, zu lernen und auch, um sich auszutauschen.

Wegen dieses Programms besteht mein eigener Februar seit neun Jahren aus sehr viel Schreiben, Lesen, Feedback geben… und Online-Meetings. Aber ich sitze nie allein drin. Immer nehmen sich auch Teilnehmende Zeit dafür, mit mir zu sprechen, ihre Fragen und Erfolge, aber auch ihre Probleme und Zweifel zu teilen.

Im normalen Alltag würden sie vermutlich sagen: Dafür habe ich keine Zeit! Aber im Februar machen sie es. Sie finden Zeit. Sie erschaffen sich Zeit. Sie schenken sich Zeit.

Zusätzlich bin ich während „28 Tage Content“ über Isabell Schäfer gestolpert (oder sie über mich?), die im Jahr 2026 jeden Monat ein kleines Experiment durchführen will. Die „Tiny Experiments“ nach Anne-Laure Le Cunff lassen Raum für Hypothesen, aber das Experimentieren ist erstmal ergebnisoffen. Und weil ich diese Idee von Ausprobieren, von Lernen, von Fortschritt ohne starre Zielvorgaben total attraktiv finde, habe ich nun auch angefangen, jeden Monat ein kleines Experiment zu machen.

Im Februar hatte ich ja gesehen, wie viel Zeit man „finden“ kann, wenn man es nur will. Daher schenke ich mir jetzt jeden Tag eine Stunde Zeit. Jeden Monat fange ich etwas anderes damit an. Ich mache also 10 Mini-Experimente und ein großes Experiment: Was passiert wohl mit mir, wenn ich mir jeden Tag eine Stunde Zeit schenke, um damit etwas Wichtiges und Wertvolles anzufangen?

März: Eine Stunde für Bewegung.

Vielleicht weißt du es ja, wenn du hier schon länger mitliest: Ich habe seit ein paar Jahren keine Luft mehr. Vor allem beim Laufen schmerzt mich das, weil mir so dieses Gefühl flöten ging, einfach mal ne Stunde drauflos laufen zu können. Stattdessen war Laufen einfach sehr anstrengend und frustrierend, weil es auch keinerlei Verbesserung gab. Und irgendwann habe ich aufgehört, weil es sich einfach so blöd anfühlte. Jetzt habe ich immer noch wenig Luft, aber ich habe beschlossen, dass ich für mich eine Möglichkeit finden möchte, wieder in Bewegung zu kommen.

Daher nehme ich mir im März jeden Tag eine Stunde Zeit für Bewegung. Das kann (sehr langsames!) Laufen sein, aber auch ein Krafttraining, Yoga, ein langer Spaziergang, Tischtennisspielen mit Junior, Radfahren oder oder oder. Es geht nicht so sehr um irgendwelche Zielmarken, Kilometer oder ne verbesserte Pace, sondern um das Austesten. Spielerisch ausprobieren, was gut klappt, was Spaß macht, was ich vielleicht auch vergessen hatte in meinem Alltag. Am Ende des Monats werde ich sagen können, was davon ich weitermachen möchte und was nicht.

Die Stunden sind übrigens fest im Kalender eingeplant. Immer zwei Wochen im voraus. Ich schaue auf meine Tage, wo welche Termine liegen, wann ich Zeit mit Junior verbringen will. Und dann setze ich einen Termin für meine Stunde Bewegung. An jedem Tag ist also ein einstündiger Blocker im Kalender. Und der wird nicht verschoben, wenn irgendeine Terminanfrage kommt oder so. Ich würde nur schieben, wenn Krankheit, Notfälle oder ähnliches mich dazu zwingen.

Woher ich die Stunde nehme? Ich lasse dafür andere Sachen weg.

Not-to-do-Listen

Meine erste Not-to-do-Liste habe ich noch im Studium geschrieben. Kein Smartphone mehr am Esstisch, dafür wirklich ungeteilte Aufmerksamkeit für mich, mein Essen und die Menschen in meiner Gesellschaft. Kein ständiges Social-Media-Checken mehr, sondern feste Zeiten. Die freigewordene Zeit wollte ich damals ins Bloggen stecken. Keine Snooze-Taste mehr, sondern direkt aufstehen, wenn der Wecker klingelt. Dafür den Wecker später stellen. (Falls du jetzt dachtest, ich würde die gewonnene Zeit in eine fancy Morgenroutine stecken: Auf keinen Fall! Ich würde mich immer für Schlaf entscheiden.)

Es standen noch ein paar andere Sachen drauf, aber die mag ich gar nicht alle teilen. Wichtig ist die Richtung, die man einschlägt. Und dann eine ganz bewusste Umsetzung. Denn wenn man nur sagt „Das wäre ne gute Idee“ oder „Das mache ich mal, wenn ich Zeit habe“, dann wird das nichts. Man muss das lohnende Ziel im Auge haben. Wenn man es nur macht, weil es sich schick anhört, dann kann man es auch lassen.

Ich habe meine Not-to-do-Liste jedenfalls aktualisiert und werde einige Dinge in meinem Alltag weglassen. Dafür schenke ich mir Zeit. Und verwende sie für Experimente, die sich lohnen. Meine Hypothese für März ist nämlich: Ich werde Ende des Monats fitter sein, ich werde ganz viele Sachen gelernt haben, ich werde mehr Zeit mit Junior und meinen Freunden verbracht haben und: Ich werde wissen, welche Art von Bewegung gut in meinen Alltag passt. Vielleicht habe ich dann sogar wieder mehr Luft, wer weiß?

Dieser Beitrag ist in der 66. Blognacht entstanden. Das Impulsthema: „Glückwunsch! Du bekommst eine Stunde geschenkt.“

Du kannst mir übrigens einen Kaffee-Regen schenken, wenn dir danach ist. Weil Geben und Nehmen zusammengehören. Meine Kaffeekasse findest du hier.

5 Antworten

  1. Liebe Anna,

    genau so geht’s: Überlegen, einen Plan machen und dann tun!
    So habe ich Anfang 2025, als ich meine Angestelltentätigkeit um eine Stunde verkürzte, diese neue Stunde auch in Bewegung gesteckt: Nicht von einem Schreibtisch zum nächsten, sondern Schuhe an, bei Wind und Wetter, und raus!
    Dadurch habe ich Bewegung, täglich mindestens 6000 Schritte im Durchschnitt, und das nun schon im 15. Monat in Folge.
    Ziele werden erreichbar, weil wir uns in Bewegung dorthin setzen 🙂

    Ich wünsche dir eine gute und sonnige Unterwegszeit!
    Mit KREativen Grüßen
    Gabi

  2. Ach, eine Not-to-do-Liste ist ja mal eine super Idee! Das muss ich mal ausprobieren. Danke Dir für diesen Impuls, liebe Anna! Und auch für den aus der Blognacht! Diese geschenkten Stunden sind immer was Besonders für alle Teilnehmenden!

    • Tiny Experimente sind was tolles
      Einfach mal machen – ohne Projektplan und große Abwägungsmatrix.
      Und danach wissen (oder besser spüren), was bleiben darf und was nicht passt.
      Ich wünsche dir tolle geschenkte Stunden 😉

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