„…dennoch gehen die [die Texte aus deinem Schreibexperiment] irgendwie gerade nochmal etwas anders unter die Haut“ – eine Rückmeldung auf meine Texte, ein Eindruck, ein Gefühl. Und ich kann das gut verstehen. Denn das ist ja das, was Erzählen kann. Ich erzähle etwas und du findest in deinen Erinnerungen irgendetwas, das dazu passt. Ich erzähle vom Verkleiden, du forschst in deinem Gedächtnis nach Situationen, in denen du dich verkleidet hast. Oder ich erzähle von der Musik meiner Kindheit und du denkst daran, was du gehört hast, als du klein warst. Mein Erleben mischt sich mit deinem und das fühlt sich anders an als ein Text, dem du nicht so nah bist.
Doris Dörrie schreibt in ihrem Buch: „Meine Erinnerungen vermischen sich mit deinen Erinnerungen. […] Die Erinnerungen verändern sich und wandern. Sie werden zu Geschichten, zu unseren gemeinsamen Geschichten, unserem Kosmos der menschlichen Erfahrungen, den es immer neu zu füllen gilt mit ihrer Einzigartigkeit. Deshalb ist persönliche Geschichte erzählenswert.“ (Leben, schreiben, atmen. Eine Einladung zum Schreiben. Diogenes 2019, S. 66).
Der Reiz am Erzählen und an den Geschichten ist doch, dass alles sein darf. Erleben in all seinen Facetten, in seinen Widersprüchlichkeiten, in seiner Un-Logik. Wir fühlen, dass Erinnerungen freudvoll und schmerzlich zugleich sein können, dass sie nicht geradlinig sind, nicht klar, nicht eindeutig.
Menschsein ist nicht klar und logisch, Leben ist nicht leicht verständlich, sondern ein großes Mysterium. Und irgendwie können wir Erleben und Fühlen verweben, wenn wir uns Geschichten erzählen. Du hast Assoziationen, wenn du meine Geschichten liest, das passiert einfach. Du kannst Mit-Fühlen, Mit-Fiebern, Mit-Leiden, Mit-Erleben. Und wissen, dass nichts davon einfach ist. Es ist komplex, es ist vielschichtig, es ist verworren – weil wir Menschen sind.
Uns das immer wieder vor Augen zu führen, im eigenen Erzählen und auch in den Geschichten von anderen, macht die Welt facettenreich, bunt, wild und aufregend. Unvorhersehbar, ganz besonders in der Verkettung von Erinnerung. Wir können nicht schwarz-weiß denken, wenn wir bunten Geschichten lauschen. Und das ist gut so. Nichts ist festgeschrieben und Erleben immer subjektiv.
Und ich hoffe sehr, dass du hier mit mir auf die Reise gehst, dass du Stöberst in deinen Erinnerungen, so wie ich es mache. Und dass du spürst, wie wertvoll Leben ist. Und Erzählen. Wenn du magst, schreib mir gern deine Eindrücke. Du kannst das hier öffentlich als Kommentar machen, du kannst mir aber auch gern eine E-Mail schreiben. Denn verwoben sind wir schon, wenn du hier mitliest.
Dieser Text ist Teil meines kleinen Schreib-Experiments. Ich lese das Buch „Leben, schreiben, atmen. Eine Einladung zum Schreiben“ (Diogenes 2019) Kapitel für Kapitel und teile meine Gedanken dazu. Alle Texte findest du unter dem Hashtag #LebenSchreibenAtmen
Du kannst mir übrigens einen Kaffee-Regen schenken, wenn dir danach ist. Weil Geben und Nehmen zusammengehören. Meine Kaffeekasse findest du hier.
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