Ich räume gerne Küchen auf. Küchen, die so richtig in Schutt und Asche liegen. Heute sehe ich nicht mehr viele, aber früher, ja früher gab es WG-Küchen. Küchen von Ex-Freunden und ihren Mitbewohnern zu Zeiten des Studiums zum Beispiel. Stell es dir vor – du hast bestimmt ein Bild davon. Teller, die sich nicht nur stapeln, sondern so zusammenkleben, dass man Kraft aufwenden muss, um sie zu trennen. Töpfe, die nicht einfach nur herumstehen, sondern leben. Gläser, in denen das Bier von vor zwei Monaten steht und auf dem sich Schichten aus Insekten und Pilzen bilden. Solche Küchen.

Wenn sich kein sauberes Glas mehr in den Schränken befindet und du weißt: Das einzige, das hier regelmäßig benutzt wird, ist die Kaffeemaschine (immerhin!), dann kommst du auf die verrücktesten Ideen. Zum Beispiel Dinge in Ordnung bringen.

Ich liebe das Verwandlungs-Potenzial, das in solchen Küchen liegt. Denn da sind so viel Unappetitlicher Kram, so viel Dreck und so viel Fläche, die nicht benutzbar ist. Macht man sich dann daran, diese Dinge in Ordnung zu bringen, dann entsteht eine äußere Ruhe. Jedes Glas, das im Schrank verschwindet, jeder Topf, der eine zweite Chance bekommt, seine Bestimmung zu erfüllen und jede Gabel, die frisch poliert in die Schublade wandert, erzeugen Platz und Entspannung, ein bisschen weniger Chaos.

Gut ist es, wenn es keine Spülmaschine gibt, denn dann entstehen diese äußere Ruhe und der Platz, also der Raum, ganz langsam. Jedes Teil verwandelt sich unter den eigenen Händen von unbenutzbar zu glänzend-ansehnlich-nützlich. Das finde ich äußerst befriedigend. Und dann entsteht aus der äußeren Ruhe und dem wiedergefundenen Raum diese innere Ruhe. Und die Freude daran, aus verlorenen und vergessenen Dingen nützliche Gegenstände gemacht zu haben.

Ich wäre vielleicht auch eine gute Poliererin. Silber, das wieder glänzt. Das Problem ist nur, dass ich keinen Schmuck trage, daher wäre das vermutlich nicht ganz so befriedigend. Denn das Tolle an Küchen ist ja, dass man sie danach benutzen kann. Und bis dahin sehen sie einfach schön aus. Ruhig, ordentlich, sauber. Ein endlicher Zustand, aber für den kurzen Moment scheint die Welt ein bisschen heller zu sein.

Du kannst mir übrigens einen Kaffee-Regen schenken, wenn dir danach ist. Weil Geben und Nehmen zusammengehören. Meine Kaffeekasse findest du hier.

2 Antworten

  1. Liebe Anna,
    für das Polieren empfehle ich dir Silberbesteck, dass du nur einmal im Monat benutzt. Dann läuft es schon ein wenig an und du kannst es silberhell polieren. Ich musste als Kind oft meine Mutter beim Silber polieren unterstützen. Noch heute habe ich den typischen Geruch der Metall-Legierung und der Polierpaste in der Nase und ich erinnere mich an die Schwärze in den Poliertüchern. Von der Haptik her fand ich das sehr unangenehm. Der Glanz des polierten Bestecks hat am Ende alles wieder wett gemacht.
    Liebe Grüße aus einer unordentlichen Küche
    Maria

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