Eine Freundin fragte mich neulich, warum ich meinen Junior immer noch zu so vielen seiner Termine begleite. Gerade die Touren in die Uni könne ich mir doch sparen, das ginge ja auch ohne mich. Und das stimmt natürlich. Junior könnte das ohne mich, er fährt selbstständig zur Schule und zum Sport, so wie ich das früher auch selbst gemacht habe. Warum ich trotzdem einmal in der Woche zur Uni fahre, um dort anderthalb Stunden auf ihn zu warten? Weil er es gern möchte. Weil er sich darüber freut, wenn wir das gemeinsam machen. Und: Weil ich es kann.
Wenn Kinder größer werden und selbstständiger, dann kommt schnell der Impuls: Cool, mehr Freiraum für mich als Mutter. Keine lästigen Fahrten mehr, man trifft sich dann eben, wenn die lieben Kleinen nach Hause kommen. Und auch ich unterstütze jeden Schritt, mit dem Junior lernt, dass er allein klarkommt. Aber nur weil er etwas allein kann, heißt das nicht, dass er es auch allein tun muss.
Ich habe mir meine Selbstständigkeit so gebaut, dass ich sehr flexibel arbeiten kann – ob ich in der Uni schreibe oder im Büro, ist den Kunden egal. Und ob ich eine bestimmte Zeit am Nachmittag offline bin, weil ich mich aufs Rad schwinge und in die Uni oder sonstwohin düse, interessiert die Kunden auch nicht.
Also: Ich kann da sein, wenn es gewünscht ist. Daher mache ich das.
Ist ein Privileg, ich weiß das. Aber es ist eins, das ich mir erarbeitet habe.
Da sein
Wenn Junior sich an seine Kindheit erinnert, dann bitte an eine Zeit, in der ich immer da war. Bei jeder Schulaufführung, bei jedem Event, bei jedem Turnier, bei allen großen und kleinen Herausforderungen. Ich nehme ihm nichts ab, er könnte auch alles allein machen. Aber ich bin da. Solange er es gern möchte.
Ganz bestimmt ist das radikal und es hat natürlich eine Geschichte, meine eigene Geschichte. Eltern tun meistens ihr Bestes, aber ich glaube, dass viele unterschätzen, wie wertvoll diese gemeinsamen Zeiten sind, in denen man einfach nur da ist, eine sichere Bank, ein Fallschirm, wenn man ihn gerade braucht.
Meine Mutter war immer stolz darauf, wie früh und schnell ihre Kinder selbstständig geworden waren. Aber dahinter steckt eine Geschichte. Und Überforderung ist tückisch in einer Situation, in der du gerade keinen Raum für Fragen hast. Mit Überforderung allein klarzukommen, weil „du bist ja schon groß“ und „das kannst du allein“, und du weißt, dass es jetzt gerade nicht passt, um Hilfe zu fragen… das ist hart. Und das bleibt dir erhalten. Alles, was ich kann, mache ich allein. Bis heute. Und das will ich nicht für Junior.
Solange er meine Unterstützung möchte und meine Anwesenheit wünscht, werde ich da sein. Genauso, wie ich es akzeptiere, wenn er mich (gerade) nicht bei sich haben möchte. Vielleicht ist das gar nicht so radikal, wie es klingt. Und vielleicht ist es keine Belastung, Fahrten zu machen und Termine zu begleiten, sondern Teilhabe. Da kann ich zuschauen, wie selbstständig mein Junior schon ist – und wie gern er sich zwischendurch an mich anlehnt. Weil er es kann. Und weil ich es kann.
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Ein Kommentar
Und wenn die Kinder als Erwachsene, wenn sich die Lebenswege doch getrennt haben, noch immer gerne kommen und sich auch mal anlehnen, dann würde ich dies als mein Glück nennen.