„Piercing“ heißt der Text, den ich heute lese und der mich anstupsen soll, über ein Schmuckstück zu schreiben. Und natürlich könnte ich über mein Piercing schreiben, diesen kleinen Stecker, den ich an der Nase trage, seit ich 14 bin. Oder über mein rechtes Ohr und die Entstehung meines Helix-Piercings, selbst geschossen und dadurch fürchterlich schief – aber es ist meins, ganz meins. Woran ich aber bei Schmuck denken musste, ist die verrückte Tatsache, dass ich noch nie eine Armbanduhr gekauft habe, zumindest nicht für mich.

In der Grundschule hatte ich mal eine Flik-Flak-Uhr, so eine blaue, echte, mit den beiden Figuren Flik und Flak als Zeiger. Irgendwann hatte ich die Uhr aber nicht mehr, vielleicht ist sie eines der wenigen Dinge, die mir verlorengingen. Es gab dann einige Anläufe für Uhren, geschenkt von Mama, Oma und so weiter, von Swatch zum Beispiel, auch mal irgendein Werbegeschenk. Ich mochte analoge Uhren, eine digitale hatte ich nie.

In den 90ern hatten alle diese klobigen Baby-G-Uhren, ich nicht, denn ich fand sie schrecklich. Genau wie die klobigen Schuhe von Buffalo, wer hatte sich das bloß ausgedacht?! Eine ganze Weile lang hatte ich dann gar keine Armbanduhr mehr, ich finde ja eh, dass Schmuck schwierig ist. Ringe machen mich wahnsinnig, ich habe immer das Gefühl, sie sind mir im Weg. Armbänder und -reifen auch. Ich habe das immer mal wieder probiert, aber nach kurzer Zeit nervt es mich. Ich bin halt eher schmucklos.

Eine Armbanduhr trug ich erst wieder mit Anfang, Mitte 20, als mein damaliger Freund mir eine schenkte, denn er fand Schmuck toll. Er sagte „Das sieht so hübsch aus“, und ich glaubte ihm. Ich fand die Uhr dann auch hübsch, finde sie bis heute hübsch. Diese eine, die natürlich längst kaputt ist. Als sie nicht mehr zu retten war, schenkte er mir eine neue, auch die finde ich bis heute hübsch, sie läuft auch noch, aber leider kann ich sie nicht mehr tragen, weil die „Rückwand“ fehlt. Keine Ahnung, wie das passiert ist, frag mich nicht.

Jedenfalls habe ich seitdem keine Armbanduhr mehr, denn es schenkt mir niemand eine. Keine Ahnung, was ich da für einen Knall habe, aber ich finde die Entscheidung echt schwierig! Selbst eine billige, bei der ich hinterher sagen könnte okay, war ein Fehlkauf… nicht so einfach.

Eigentlich finde ich Uhren gut, weil ich dann noch weniger aufs Handy schauen müsste, ein Blick auf die Uhr reicht aus. Und analog ist ja schon mal ein guter Ansatz. Und silbern und nicht klobig sind auch schon wichtige Punkte. Bloß gehe ich nicht los. Nicht für eine Armbanduhr.

Eine ehemalige Kollegin von mir in dem Laden, in dem ich lange gekellnert habe, hatte bestimmt 20 verschiedene Uhren. Und die farblich passenden Brillen dazu. Völlig irre. Ich mein, hey, voll gut wenn jemand an so etwas Freude hat – ich nicht so. Ich trage eigentlich nur ein einziges Schmuckstück: Die Kette um meinen Hals. Und die ist so klein, dass sie fast immer unter dem Shirt oder Pulli verschwindet.

Auch die habe ich mir nicht selbst gekauft und bin mit der schenkenden Person so gar nicht mehr grün. Ist aber egal, weil die Bedeutung für mich nicht am Schenker hängt. Witzig, dass ich mir solche Dinge trotzdem nicht selbst kaufe, oder?


Dieser Text ist Teil meines kleinen Schreib-Experiments. Ich lese das Buch „Leben, schreiben, atmen. Eine Einladung zum Schreiben“ (Diogenes 2019) Kapitel für Kapitel und teile meine Gedanken dazu. Alle Texte findest du unter dem Hashtag #LebenSchreibenAtmen

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2 Antworten

  1. Liebe Anna,
    im Gegensatz zu Dir war ich immer schon ein Schmuckmensch. Nicht irgendein Schmuck, er musste und muss immer echt sein.
    Ohne meine Ringe geht gar nichts. Einen links und zwei am rechten Ringfinger (Ehering und Vorsteckring) und nur am Ringfinger. Alles andere finde ich komisch. Hab auch mal gelesen, was das Tragen von Ringen an den anderen Fingern bedeutet, habe es mir aber nicht gemerkt.
    Und klar, ohne Armbanduhr, bin ich nur ein halber Mensch. Für die erste habe ich einige Monate mein Praktikumsgeld gespart. Es musste natürlich eine automatische sein und die war Ende der 60er Jahre sehr teuer.
    Heute trage ich die dritte Armbanduhr meines Leben, nachdem Nr. 1 und 2 den Geist aufgegeben hatten und rate, sie ist aus Silber und die kleinste, die es für Damen mit einem Sekundenzeiger gab. Ein Sekundenzeiger war und ist oberste Priorität, echt schwierig! Ich brauche einfach das Gefühl jederzeit den Puls messen zu können.
    Beim Schmuckkauf muss ich schon dabei sein, ich möchte das gute Stück ja gerne tragen 🙂
    Liebe Grüße
    Margaretha

    • Liebe Margaretha,

      ja, so unterschiedlich ticken wir, das ist schon erstaunlich. Mit meinen Händen bin ich halt echt pingelig: Die Fingernägel dürfen nicht zu lang sein und Lack geht gar nicht, denn dann habe ich immer so ein Fremdkörper-Gefühl und kann nichts so richtig anfassen. Und so einen ähnlichen Effekt haben Ringe. Ich habe mal ne Zeit lang welche getragen, hatte mir mal einen hübschen Ring im Frankreich gekauft und einen habe ich von meinem Vater geerbt, der passt mir zwar nur auf den Mittelfinger, aber immerhin. Nur habe ich dieses Gefühl nicht ablegen können, dass das behindernde Dinge sind. Also keine Ringe und auch weiterhin kein Lack, keine künstlichen Nägel oder so. Und das mit der Uhr ist halt Gewohnheit, jetzt gerade fehlt sie mir nicht, aber ich finde sie halt schon praktisch. Wer weiß – vielleicht werde ich irgendwann wieder eine haben. Aber nicht selbst ausgesucht 🙂

      Liebe Grüße
      Anna

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